Limnische Kieselalgen (Bacillariophyta)

Kieselalgen, auch Diatomeen genannt, sind eine eigene Abteilung mikroskopisch kleiner, in Gewässern lebender Einzeller, die ein hartes Außenskelett aus Siliziumdioxid (Quarz) besitzen. Der Zusatz „limnisch“ im Titel der Roten Liste weist darauf hin, dass nur Arten betrachtet wurden, die im Süß- und Brackwasser von Fließ- und Stillgewässern des Binnenlandes leben. Sie stellen eine artenreiche Gruppe dar; zurzeit sind 2.103 Arten und Varietäten aus Deutschland bekannt. Auch in den deutschen Küstengewässern der Nord- und Ostsee gibt es zahlreiche (marine) Arten, für die es jedoch noch keine Rote Liste gibt.

Wunderwerke der Natur

An ihrer Quarzschale, welche mannigfaltige Ornamentierungen und Muster aufweist, können die Arten identifiziert werden. Trotz ihrer Winzigkeit sind die Kieselalgen wegen ihrer ästhetisch ansprechenden Formenvielfalt populär und schon lange und vergleichsweise gut untersucht.

Archiv der Landschaftsentwicklung

Die Quarzskelette der Kieselalgen sind sehr lange beständig. In Sedimenten von Seen eingebettet können sie noch nach Jahrmillionen bestimmbar sein. Dadurch sind Seesedimente anhand ihres Diatomeenbesatzes regelrechte Archive der Landschaftsentwicklung. Die ökologischen Ansprüche der Arten und Artengemeinschaften sind spezifisch und meist gut bekannt. So kann man den Wandel von einem nährstoffarmen zu einem nährstoffreichen See oder den Versauerungsprozess in einem Weichwassertümpel chronologisch nachvollziehen. Die Kieselalgen werden daher häufig als Monitoring-Organismen zur laufenden Überwachung des biologischen Zustandes von Gewässern genutzt. Aus diesem Grund ist auch die aktuelle Datengrundlage für den Großteil der Arten gut.

Wie geht es den limnischen Kieselalgen?

Als bestandsgefährdet gelten 655 Arten (31 %) , ein relativ hoher Anteil von 229 Arten (11 %) ist extrem selten. 650 Arten sind ungefährdet (31 %) und lediglich 64 Arten (3 %) stehen auf der Vorwarnliste. Bei einem knappen Viertel der Arten (501 = 24 %) ist die Datengrundlage zu schlecht für eine präzisere Einstufung. Wichtigste Rückgangsursachen sind der Eintrag von Stickstoff und Phosphor in Gewässer, die Versauerung von Gewässern, der Biotopverlust sowie der Verlust der standörtlichen Vielfalt von Gewässern.

Aktuelle Rote Liste

Hofmann, G.; Lange-Bertalot, H.; Werum, M. & Klee, R. (2018): Rote Liste und Gesamtartenliste der limnischen Kieselalgen (Bacillariophyta) Deutschlands. – In: Metzing, D., Hofbauer, N., Ludwig, G. & Matzke-Hajek, G. (Bearb.): Rote Liste der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 7: Pflanzen. – Bonn (Bundesamt für Naturschutz). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (7): 601–708.

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar.