Spinnerartige Falter (Lepidoptera: Bombyces, Sphinges s. l.)

Die Auswahl der in der Roten Liste der Spinnerartigen Falter bearbeiteten Schmetterlingsarten ergibt sich aus der Historie der Schmetterlingsforschung und aus pragmatischen Gesichtspunkten. In der Publikation aus dem Jahr 2011 wurden hierzu die Arten der Familien der Echten Sackträger (Psychidae), Glasflügler (Sesiidae), Widderchen (Zygaenidae) und sonstige Spinner und Schwärmer (Bombyces part. & Sphinges) hinsichtlich ihrer Gefährdung bewertet. Andere, wie die Eulenspinner und Sichelflügler (Drepanidae), werden in der Liste der Spanner behandelt. Seit dem Jahr 2025 werden die Widderchen in der aktuellen Liste der  „Tagfalter und Widderchen Deutschlands“ aufgeführt.

Gefährdete Pflaumenglucken, Hofdamen & Co.

Die Spinner und Schwärmer im weiteren Sinne sind hinsichtlich ihres Aussehens und ihrer ökologischen Ansprüche keine einheitliche Artengruppe. In ihr sind sowohl tag- als auch nachtaktive Arten vertreten. Viele sind bunt oder zumindest kontrastreich gefärbt. Das spiegeln auch manche deutschen Artnamen wider, unter denen es kuriose Kreationen wie Pflaumenglucke, Kammerjungfer oder Hofdame gibt. Innerhalb dieser Organismengruppe finden sich sehr große Arten wie beispielweise das Große Nachtpfauenauge, der größte mitteleuropäische Schmetterling. Die Glasflügler weisen überwiegend durchsichtige Flügel auf, sie ähneln oft Bienen oder Wespen. Ein weiterer prominenter Vertreter ist das Taubenschwänzchen aus der Familie der Schwärmer. Die meisten Schwärmerarten sind allerdings nachtaktiv. Mit ihren teilweise extrem langen Saugrüsseln können sie auch den Blütennektar am Grund von engen langen Kronröhren nächtlich blühender Pflanzen erreichen. Dabei stehen sie wie Kolibris mit schwirrendem Flügelschlag vor den Blüten.

Tageslicht liebende Sackträger

Die Raupen der meist tagaktiven Sackträger leben in namensgebenden „Säcken“, mit denen sich die Tiere auch fortbewegen können. Selbst die Häutung und Verpuppung findet innerhalb dieser Säcke statt, die aus Spinnfäden und verschiedensten Fremdmaterialien wie Erde, Sand, Steinchen, Pflanzenteilen oder Resten wirbelloser Tiere gebaut werden.

Wie geht es den Spinnerartigen Faltern?

Die Gesamtartenliste der Spinnerartigen Falter Deutschlands umfasst 260 etablierte Arten, Unterarten und Formen – darunter drei durch den Menschen eingeschleppte Arten. Von den 250 bewerteten Arten, Unterarten bzw. Formen sind 31 % bestandsgefährdet, sechzehn gelten als ausgestorben oder verschollen (6 %). Als ungefährdet sind 45 % der Spinnerartigen Falter einzustufen. Die restlichen stehen entweder auf der Vorwarnliste (12 %) oder sind extrem selten (5 %). Eine Art kann aufgrund fehlender Daten nicht eingestuft werden.

Viele der Arten weisen sehr unterschiedliche Lebensraumansprüche auf und reagieren sensibel auf Veränderungen. Die Gefährdungsursachen sind entsprechend mannigfaltig, neben dem Verlust wertvoller naturnaher Flächen stellt der verstärkte Nährstoffeintrag und die unsachgemäße Bewirtschaftung in den Lebensräumen ein großes Problem dar.

Aktuelle Rote Liste

(Stand Dezember 2007, geringfügig ergänzt Dezember 2010)

Rennwald, E.; Sobczyk, T. & Hofmann, A. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Spinnerartigen Falter (Lepidoptera: Bombyces, Sphinges s.l.) Deutschlands. – In: Binot-Hafke, M.; Balzer, S.; Becker, N.; Gruttke, H.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G.; Matzke-Hajek, G. & Strauch, M. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3): 243–283.

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar.

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