Binnenmollusken (Gastropoda & Bivalvia)

In Deutschland sind in der Gesamtartenliste der Binnenmollusken insgesamt 373 etablierte Arten und Unterarten aufgeführt. Die meisten davon, nämlich 334, gehören zu den Schnecken (Gastropoda). Auch wenn man Muscheln meist mit dem Meer in Verbindung bringt, zählen auch 39 im Süßwasser lebende Muschelarten und -unterarten zu den Binnenmollusken.

Mit Haus, mit Klappen oder nackt

Schnecken sind die einzige Gruppe der Weichtiere (Mollusken), die sich neben dem Leben im Wasser auch an das Leben an Land angepasst haben. So kommen sie beispielsweise in Wäldern, Wiesen, aber auch in Binnengewässern vor. Nicht nur ihre Anpassung an unterschiedliche Lebensräume ist vielfältig – es gibt sie mit Gehäusen unterschiedlicher Größen, Formen und Farben. Die Weiße Turmschnecke trägt ihren Namen beispielsweise wegen der länglichen Form ihres Gehäuses, die bekannte Weinbergschnecke besitzt ein kugeliges Gehäuse. Und es gibt Schnecken, die ihr Schneckenhaus ganz „abgelegt“ haben, wie beispielsweise der Tigerschnegel mit seiner Raubkatzen-Musterung. Neben dem Schutz vor Fressfeinden und Verletzungen kann das Gehäuse der an Land lebenden Schnecken zum Schutz vor Austrocknung gedeutet werden: Bei anhaltender Trockenheit können sie sich in die Häuser zurückziehen und dieses mit einem Deckel verschließen.

Im Gegensatz zu den Schnecken sind Muscheln ausschließlich in Gewässern oder zumindest in Sümpfen zu finden. Sie besitzen eine Schale, welche aus zwei Klappen besteht, zwischen denen der Weichkörper liegt.

Nützliche Weichtiere

Schnecken übernehmen in Ökosystemen eine Vielzahl wichtiger Aufgaben: Sie tragen beispielsweise zur Zersetzung von Laubstreu bei – ein wichtiger Vorgang für die Aufrechterhaltung des Nährstoffkreislaufs im Boden. Einige Schnecken nehmen als räuberisch lebende Arten erfolgreich Einfluss auf andere Spezies und können sogar die Pflanzen im Garten schützen. Angst vor einem Schneckenbiss muss jedoch niemand haben: Schnecken besitzen keine Kauwerkzeuge, sondern nehmen ihre Nahrung mit Hilfe der sogenannten Raspelzunge auf.

Muscheln tragen durch ihre immense Filtrierleistung dazu bei, das Wasser von Flüssen und Seen sauber zu halten. Aber nicht alle Muschelarten sind überall gern gesehen: Die Körbchenmuscheln im Rhein stellen beispielsweise eine ernst zu nehmende Konkurrenz einheimischer Arten dar, verändern die Nahrungsnetze und können bei massenweisem Auftreten sogar Leitungen verstopfen.

Wie geht es den Binnenmollusken?

In Deutschland fallen von den 332 in der Roten Liste bewerteten Arten und Unterarten der Binnenmollusken 18 % in die Kategorie „Vom Aussterben bedroht“. Darüber hinaus werden 11 % als stark gefährdet und 10 % als gefährdet eingestuft. 4,5 % gelten als ausgestorben oder verschollen, wobei kürzlich eine Art (die Wald-Schnirkelschnecke) wiederentdeckt werden konnte. Lediglich 26,5 % der in Deutschland vorkommenden Binnenmolluskenarten  und -unterarten wurden als ungefährdet eingestuft.

Die Gefährdungsursachen für Mollusken sind vielfältig und müssen je nach Lebensraum betrachtet werden. Als wichtige Gefährdungsursache ist jedoch die Intensivierung der Landnutzung und die damit einhergehende Isolation von Habitaten zu nennen. 

Mitmachen

Wer an der Roten Liste mitarbeiten möchte, kann jetzt Funde des Bierschnegels über die NABU-naturgucker.de Web-App melden. Mehr Infos hier.

Aktuelle Rote Liste und Datenportal

(Stand Februar 2010)

Jungbluth, J.H. & Knorre, D. von (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Binnenmollusken (Schnecken und Muscheln; Gastropoda et Bivalvia) Deutschlands. – In: Binot-Hafke, M.; Balzer, S.; Becker, N.; Gruttke, H.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G.; Matzke-Hajek, G. & Strauch, M. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3): 647–708.

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar.

Im Datenportal Mollusken Deutschlands stehen darüber hinaus Beobachtungsdaten, Kartier-/Artenlisten und Verbreitungskarten zur Verfügung.

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