Moose (Anthocerotophyta, Marchantiophyta & Bryophyta)

Moose sind die Überlebenskünstler der Pflanzen. Man findet sie fast überall – nur im Meer können sie nicht leben. Die Gesamtartenliste der Moose Deutschlands umfasst 1.195 etablierte Arten, Unterarten und Varietäten.

Patchwork-Gruppe

Man weiß heute, dass die drei Hauptgruppen der Moose, nämlich Hornmoose, Lebermoose und Laubmoose, nur weitläufig miteinander verwandt sind. Sie stellen in Wirklichkeit ganz eigene Abteilungen im Pflanzenreich dar, die nur aus Traditionsgründen und umgangssprachlich als „Moose“ zusammengefasst werden.

Die Hornmoose sind eine artenarme Gruppe, die in Deutschland nur 6 Arten umfasst. Die Lebermoose – in Deutschland immerhin 286 Taxa – können unterschiedliche Gestalt haben: Ein Teil besitzt lappige (thallose), ein anderer Teil beblätterte Wuchsformen. Die thallosen Arten wachsen ohne Differenzierung in Stämmchen und Blätter. Manche galten früher als Heilpflanzen im Sinne der Signaturenlehre: Weil ihre Gestalt einer Leber ähnelt, setzte man sie gegen Leberleiden ein. Die Mehrzahl der Lebermoose benötigt Lebensräume mit gleichmäßig hoher Luftfeuchte. Sie sind beispielsweise in Schluchtwäldern und anderen humiden Biotopen artenreich vertreten.

Aus der Gruppe der Laubmoose sind in Deutschland 903 Taxa nachgewiesen. Unter ihnen finden sich die am stärksten differenzierten und auffälligsten Wuchsformen. Besonders in Wäldern, Felsbiotopen und Mooren der Mittel- und Hochgebirge entfalten sie ihren größten Artenreichtum.

Ohne Moos nix los

Moose entwickeln keine Blüten, sondern sehr einfache, unauffällige Geschlechtsorgane, die weiblichen Archegonien und die männlichen Antheridien. Im Gegensatz zu den Blütenpflanzen besitzen die Zellen der grünen Moospflanzen einen einfachen Chromosomensatz; sie sind also haploid. Der auf ihnen aufwachsende blattlose Sporophyt – nur aus einer meist gestielten Sporenkapsel bestehend – bildet sich erst nach der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle und ist diploid – seine Zellen haben einen doppelten Chromosomensatz. Die von den Sporophyten freigesetzten staubfeinen Sporen sind die Verbreitungseinheiten der Moose. Sie können mit Luftströmungen über weite Distanzen verfrachtet werden. Deshalb gehören viele Moose zu den Pionieren bei der Besiedlung von Rohböden.

Eine herausragende ökologische Bedeutung haben die zu den Laubmoosen gehörenden Torfmoose der Gattung Sphagnum, die die Vegetation von Hochmooren dominieren. Ihre abgestorbenen Sprossabschnitte bilden Torf, der in nassen, sauerstoffarmen Böden über Jahrtausende erhalten bleiben kann. Dadurch stellen Torfmoore sehr effektive Kohlenstoff-Senken dar. Die Erhaltung der Hochmoore ist deshalb ein sehr wichtiger Beitrag zur Reduzierung des klimaschädlichen Kohlendioxid-Anteils in der Luft.

Wie geht es den Moosen?

Ein Viertel der in der Roten Liste bewerteten Moos-Taxa Deutschlands (Arten, Unterarten und Varietäten) ist bestandsgefährdet. Davon sind 39 (3 %) bereits ausgestorben oder verschollen. Recht hoch ist mit 9 % der Anteil extrem seltener Taxa. Das kommt daher, dass Moose große Verbreitungsgebiete besiedeln, teilweise aber sehr spezielle Lebensraumansprüche haben, die nur an wenigen Stellen realisiert sind. Nur noch 41 % der in Deutschland nachgewiesenen Moos-Taxa sind ungefährdet. Für 12 % reicht die Datenlage für eine Gefährdungseinstufung bisher nicht aus.

Der Anteil gefährdeter Arten ist etwas geringer als bei den Farn- und Blütenpflanzen. Besonders bei den Epiphyten, also den auf der Borke von Bäumen wachsenden Arten, waren die Bemühungen zur Luftreinhaltung erfolgreich: Der Anteil gefährdeter Arten bei ihnen hat sich gegenüber der Rote-Liste-Fassung von 1996 deutlich verringert. Arten der Moore sind besonders stark rückläufig. Neben den seit langem bestehenden Gefährdungsursachen wie Entwässerung und Eutrophierung wirken sich hier neuerdings Einflüsse des Klimawandels verschärfend aus.

Aktuelle Rote Liste und Datenportal

(Stand 7. Mai 2018)

Caspari, S.; Dürhammer, O.; Sauer, M. & Schmidt, C. (2018): Rote Liste und Gesamtartenliste der Moose (Anthocerotophyta, Marchantiophyta und Bryophyta) Deutschlands. – In: Metzing, D.; Hofbauer, N.; Ludwig, G. & Matzke-Hajek, G. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 7: Pflanzen. – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (7): 361–489.

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar.

Im Datenportal Moose Deutschlands stehen darüber hinaus Beobachtungsdaten, Kartier-/Artenlisten und Verbreitungskarten zur Verfügung.

Artenportraits