Winterbote und Wühlmausjäger

Von Monarchen wurde sein Pelz als Zeichen der Würde und Macht getragen. Obwohl das Hermelin weit verbreitet ist, wird es nur selten beobachtet. Seine heimliche Lebensweise macht es sehr schwer, seinen Bestand in Deutschland zu schätzen oder gar die Tiere zu zählen. Im Winter schneeweiß und immer in Bewegung: Das Hermelin ist unsere Art des Monats Februar.

Pfeilschnell, anpassungsfähig und stets hungrig

Das Hermelin erscheint im Schnee perfekt getarnt: Ob das der Zweck des Fellwechsels ist, konnte noch nicht nachgewiesen werden.  Foto: Rolf Müller/AdobeStock

Das Hermelin erscheint im Schnee perfekt getarnt: Ob das der Zweck des Fellwechsels ist, konnte noch nicht nachgewiesen werden. 

Foto: Rolf Müller/AdobeStock

Ein weißer Blitz huscht über die Wiese – bleibt stehen, richtet sich auf als wäre es ein Erdmännchen – und ist schon wieder im nächsten Gebüsch verschwunden. Ein Hermelin in einem Feld zu erspähen ist ein seltenes Glück. Im späten Winter gelingt es am ehesten. Mit seinem weißen Winterfell ist das zweitkleinste Raubtier Deutschlands besonders gut zu erkennen, wenn Wiesen und Felder nicht mehr schneebedeckt sind. 

Das Hermelin (Mustela erminea) gehört zur Familie der Marder. Die 30 bis 40 Zentimeter großen Tiere sind geschickte Jäger und töten ihre Beute meist mit einem schnellen Biss in den Nacken. Ihre Vorlieben richten sich nach dem Nahrungsangebot: Wühlmäuse und andere Kleinsäuger stehen ganz oben auf dem Speiseplan, gelegentlich erbeuten sie aber auch Vögel, deren Eier, Amphibien oder Eidechsen – sogar Fische und Krebse lassen sie sich gelegentlich schmecken. Hermeline sind zwar vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, bei höherem Nahrungsbedarf, etwa im Winter, jagen sie aber auch tagsüber. Dabei durchstöbern sie in ihrem ausgedehnten Revier jeden Winkel und können pro Nacht mehrere Kilometer zurücklegen. Bei einem so anpassungsfähigen und opportunistischen Raubtier ist es nicht verwunderlich, dass es sich in allen kühleren Regionen der nördlichen Hemisphäre heimisch fühlt. Gefahr geht für die kleinen Wiesel von Beutegreifern aus der Luft und größeren Raubtieren wie Fuchs oder Wildkatze aus. Deswegen darf die Deckung nie weit sein – auch in den offenen Landschaften, in denen sie gerne jagen. 

Auf der Südhalbkugel stellt das Hermelin eine große Gefahr für die Artenvielfalt dar: Im 19. Jahrhundert wurden aus Großbritannien stammende Hermeline in Neuseeland angesiedelt, sie sollten dort die Kaninchenplage eindämmen. Wie so oft schlug dieser Versuch fehl und mündete in einer Katastrophe für die endemische Fauna: Nach massiver Vermehrung ist das Hermelin dort noch heute eine existenzielle Gefahr für flugunfähige Vögel wie den Eulenpapagei und die Kiwiarten. 

Wie zählt man wieselflinke Tiere? 

Um genau einschätzen zu können, wie es in Deutschland um das Hermelin steht, fehlen systematische Untersuchungen: Die Zahlen zum Bestand und zur Verbreitung stammen aus Jagdstrecken und registrierten Verkehrsopfern. Seit Hermeline kaum noch gejagt werden, gibt es nur wenig Daten. In der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands von 2020 wird die Art deshalb in die Kategorie D („Daten unzureichend“) eingestuft. Um Bestandstrends der Tiere in Deutschland genauer zu erkennen, bräuchte es Monitoringprogramme.

Im Sommer ist das Hermelin nur schwer von dem kleineren Mauswiesel zu unterscheiden. Beide haben dann kastanienbraunes Fell an Rücken und Kopf und einen weißen Bauch. Der Schwanz des Hermelins hat aber stets eine schwarze Spitze. Foto: Thierryjdv/AdobeStock

Im Sommer ist das Hermelin nur schwer von dem kleineren Mauswiesel zu unterscheiden. Beide haben dann kastanienbraunes Fell an Rücken und Kopf und einen weißen Bauch. Der Schwanz des Hermelins hat aber stets eine schwarze Spitze.

Foto: Thierryjdv/AdobeStock   

„Die Erfassung von Hermelinen, aber auch Mauswieseln, ist sehr aufwendig: Haare oder Kot zu sammeln, bringt aufgrund ihrer versteckten Lebensweise nur unvollständige Ergebnisse“, erklärt Rote-Liste-Autor Johannes Lang. „Am besten geeignet sind spezielle Fotofallen, ‚Mostela Boxen‘ genannt. Die Tiere werden von einem Ködergeruch in der Box angelockt und laufen durch ein vorn und hinten offenes Rohr, dabei werden sie wie durch ein Seitenfenster automatisch fotografiert.“ Andere Monitoringmethoden wie DNA-Nachweise und die Arbeit mit Artenspürhunden werden zurzeit erprobt, erklärt Forscherin Janina Diehl vom Wildtierinstitut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. In anderen europäischen Ländern gibt es Hinweise, dass der Bestand des Hermelins dort abnimmt. Das liegt teilweise an vergifteten Beutetieren: „Eine Studie aus Dänemark zeigt erhebliche Rückstände von Ratten- und Mäusegiften in Totfunden von Hermelinen“, so Lang. 

Der schneeweiße Pelz: Tarnung und Thermojacke

Berühmt ist das Hermelin für sein prächtiges weißes Fell: Von Königen und Päpsten getragen, war ein Kragen oder Mantel aus weißem Hermelinpelz ein Zeichen für Macht und Reinheit. Das Sommerfell wäre dafür ungeeignet gewesen, denn dann sind Kopf und Rücken der Hermeline braun, nur der Bauch bleibt weiß. Der Fellwechsel richtet sich nach dem Lichtangebot: Abnehmende Tageslänge löst ein hormonelles Signal aus, das weiße Haare wachsen lässt – im Herbst ist das Hermelin zunächst braun-weiß gefleckt und zum Winter hin schließlich ganz weiß. Nur seine Schwanzspitze bleibt ganzjährig schwarz und ist das sicherste Unterscheidungsmerkmal zum ähnlichen Mauswiesel. Neben der Tarnwirkung bietet das schneeweiße Winterfell auch Kälteschutz, sagt Lang: „Eigentlich sind die Haare farblos und hohl, das Licht wird an den Grenzschichten total reflektiert. Die Luft in und zwischen ihnen wirkt dann aber als Isolationsschicht, wie etwa bei Daunenjacken.“ 

(Artikel veröffentlicht am 4.2.2026)

Rote Liste und weitere Informationen

Rote Liste

Meinig, H.; Boye, P.; Dähne, M.; Hutterer, R. & Lang, J. (2020): Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere (Mammalia) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (2): 73 S.

Weitere Informationen

King, C.M. (2023). Ermine Mustela erminea Linnaeus, 1758. In: Hackländer, K., Zachos, F.E. (eds) Handbook of the Mammals of Europe. Handbook of the Mammals of Europe. Springer, Cham. 

Hermelin (Mustela erminea)


Rote-Liste-Kategorie: Daten unzureichend