Was glänzt denn da im hohen Gras?

Wer an einem sonnigen Tag im Frühsommer durch ungemähte Wiesen Süddeutschlands streift, kann es mitunter metallisch grün-golden schimmern sehen: Die Kleine Goldschrecke ist mit ihrer leuchtenden Körperfarbe nicht nur ein Blickfang – sie läutet als eine der frühesten Vertreterinnen auch die Heuschreckensaison bei uns ein. Die Kleine Goldschrecke ist daher unsere Art des Monats Juni.

Die frühe Schrecke hat das Publikum für sich

Ein Weibchen im kniehohen Gras – so ist die schmucke Art typischerweise zu finden. Foto: Sebastian Ćato

Ein Weibchen im kniehohen Gras – so ist die schmucke Art typischerweise zu finden.

Foto: Sebastian Ćato

Während die meisten Heuschreckenarten bei uns erst ab Juli als adulte Tiere vorkommen, ist die Kleine Goldschrecke (Euthystira brachyptera) chronisch früh dran: Schon ab Ende März schlüpfen die kleinen Nymphen und häuten sich mehrmals in vergleichsweise kurzen Abständen. Die letzte Häutung zum erwachsenen Tier erfolgt schon ab Ende Mai. Damit kann das geübte Ohr bereits ab Juni dem Gesang der Kurzfühlerschrecke lauschen. Das Repertoire umfasst mehrere Lieder: Da ist zunächst der leise Spontangesang aus kurzen Versen, die aus 4-12 einzeln kaum wahrnehmbaren Silben bestehen und sich alle 2-4 Sekunden wiederholen – benachbarte Männchen singen diesen oft im Wechsel. Stehen sie in Konkurrenz, wird der Rivalengesang angestimmt: Die Verse werden kürzer und die Beine, mit denen der Gesang erzeugt wird, können sich asynchron bewegen. Soll ein Weibchen bezirzt werden, ertönen leise, lange Reihen von Versen mit kurzen Abständen.

Schaum-Eier liebevoll verpackt

Wenn das Werben überzeugen konnte, legt das Weibchen nach der Paarung 5 - 6 Eier in einer schaumigen Flüssigkeit an Pflanzen ab, häufig am Blauen Pfeifengras oder der Fieder-Zwenke. Damit die Eier die lange Lagerzeit bis zum nächsten Frühjahr gut überstehen, geben sich die Weibchen große Mühe beim Verpacken: Mit den Hinterbeinen falten sie ein oder mehrere Blätter in ca. 20 - 50 cm Höhe über dem Boden zu einem Täschchen zusammen und legen das Schaum-Eier-Paket hinein. Nach ca. 30 Minuten ist der Schaum zu einer festen Substanz ausgehärtet und hat sich braun verfärbt. So können die Eier nicht austrocknen und sind vor Fressfeinden geschützt, bis der Nachwuchs im nächsten Frühjahr schlüpft. Die Eltern erleben das jedoch nicht mehr, sie sterben vor dem Winter.

Gräser schmecken einfach am besten

Die Weibchen der Kleinen Goldschrecke sind gut an ihren kurzen rosafarbenen Flügeln erkennbar. Foto: Sandra Ehrmann

Die Weibchen der Kleinen Goldschrecke sind gut an ihren kurzen rosafarbenen Flügeln erkennbar.

Foto: Sandra Ehrmann

Ob in mageren Wiesen, nass-sumpfigem Grasland oder Trockenrasen – die Kleine Goldschrecke fühlt sich in vielen Lebensräumen wohl, solange sie genug zarte Gräser zum Verspeisen findet und das richtige Mikroklima herrscht. Besonders in trockenen Habitaten braucht sie dichte Vegetation, die in Bodennähe für ausreichend Luftfeuchte sorgt. Sie besiedelt auch höhere Lagen der Mittelgebirge und kommt in den Alpen bis in 2.500 Meter Höhe vor, in der Nordwesthälfte Deutschlands dagegen fehlt die Art.

Laut der kürzlich publizierten Roten Liste der Heuschrecken und Fangschrecken ist die Kleine Goldschrecke in Deutschland mäßig häufig und ungefährdet. Regional sind allerdings unterschiedliche Trends zu beobachten: Während die Bestände in Thüringen tendenziell zunehmen, wurden in Baden-Württemberg Bestandsrückgänge verzeichnet. Lokal ist die Art beispielsweise durch Überweidung und frühe Mahd, aber auch durch das Verbuschen von Wiesen gefährdet. Aufgrund der uneinheitlichen Bestandsentwicklungen legen die Autorinnen und Autoren der Roten Liste nahe, in den nächsten Jahren verstärkt auf die Bestände der Kleinen Goldschrecke zu achten (siehe dazu auch den Steckbrief mit komprimierten Rote-Liste-Informationen).

Literatur und Rote Liste zum Artikel

Poniatowski, D.; Detzel, P.; Drews, A.; Hochkirch, A.; Hundertmark, I.; Husemann, M.; Klatt, R.; Klugkist, H.; Köhler, G.; Kronshage, A.; Maas, S.; Moritz, R.; Pfeifer, M.A.; Stübing, S.; Voith, J.; Winkler, C.; Wranik, W.; Helbing, F. & Fartmann, T. (2024): Rote Liste und Gesamtartenliste der Heuschrecken und Fangschrecken (Orthoptera et Mantodea) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (7): 88 S.
 

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar, ebenso die Rote Liste als kostenfreie elektronische Publikation.

Kleine Goldschrecke

Rote-Liste-Kategorie: Ungefährdet