Warum man sich im Garten über Florfliegen freuen sollte

Blattlauslöwen, die Larven der Gemeinen Florfliege, sind vor allem eines: immer hungrig. Und zwar auf Blattläuse, Spinnmilben und Thripse. Sie sind hervorragende Helfer in großen Gemüsebetrieben und werden deshalb auch gewerblich gezüchtet. Die Bekanntheit der Florfliegen täuscht jedoch darüber hinweg, dass sie wenig erforscht sind: Erst vor 20 Jahren wurde klar, dass sich dahinter mehrere Kleinarten verbergen. Die Bestandssituation dieser Kleinarten auf Bundesebene ist erst in Ansätzen bekannt. Die Gemeine Florfliege ist unsere Art des Monats Januar.

Filigrane Schönheit mit großem Nutzen

Die Gemeine Florfliege (Chrysoperla carnea) erreicht eine Flügelspannweite von 15 bis 30 mm und gehört zur Ordnung der Netzflügler (Neuroptera). Aufgrund ihrer goldfarbenen Facettenaugen ist sie auch unter dem Namen „Goldauge“ bekannt. Wie bei allen Neuropteren weisen ihre Flügelpaare eine netzartige Struktur auf. Leicht zu erkennen sind die Tiere, wenn in der Ruhestellung die Flügel dachförmig über dem Hinterleib zusammengeklappt sind. Im Sommer sind sie meist grünlich gefärbt, im Winter eher blass rötlich. Daher rührt auch der lateinische Artname carnea ( = fleischfarben).

Die Gemeine Florfliege gehört zur Insektengruppe der Netzflügler, die in Deutschland mit rund 100 Arten vorkommt. Foto: Dr. Axel Gruppe

Die Gemeine Florfliege gehört zur Insektengruppe der Netzflügler, die in Deutschland mit rund 100 Arten vorkommt.

Foto: Dr. Axel Gruppe

Anfang der 2000er Jahre stellte sich heraus, dass es sich bei der Gemeinen Florfliege nicht um eine einzige Art handelt, sondern um einen Komplex aus mehreren sehr ähnlichen Kleinarten. Allein in Deutschland kommen vier von ihnen vor. Zusätzlich zu Chrysoperla carnea werden heute Chrysoperla lucasina, Chrysoperla mediterranea und Chrysoperla pallida unterschieden. Mit etwas Übung lassen sich die unterschiedlichen Arten zum Beispiel anhand der Zeichnung bestimmter Körperteile erkennen. Auch der „Paarungsgesang“ ist unterschiedlich. Durch Vibration ihres Hinterleibes erzeugen Florfliegen Schwingungen, die von ihresgleichen wahrgenommen werden können, allerdings nicht vom menschlichen Ohr. Bislang sind weltweit rund 15 unterschiedliche Vibrationsmuster bekannt.

Der Komplex der Gemeinen Florfliegen ist über die gesamte Erde, mit Ausnahme Australiens und der Polargebiete, verbreitet. Dabei werden viele Höhenlagen sowie verschiedene Habitate besiedelt. In Mitteleuropa kommt die Gemeine Florfliege in fast allen terrestrischen Lebensräumen vor. Die adulten Tiere ernähren sich rein pflanzlich von Pollen und dem sogenannten Honigtau, der Ausscheidung von Blattläusen.

Blattlauslöwen als ehrenamtliche Mitarbeiter

Ein Blattlauslöwe mit seiner Beute. Foto: Dr. Axel Gruppe

Ein Blattlauslöwe mit seiner Beute.

Foto: Dr. Axel Gruppe

Die Larven der Gemeinen Florfliege werden auch Blattlauslöwen genannt. Sie sehen nicht nur gänzlich anders aus als die erwachsenen Tiere, auch ihre Ernährung unterscheidet sich grundlegend. Sie fressen mit Vorliebe Blattläuse, Spinnmilben und Thripse, sodass sich jede Gärtnerin und jeder Gärtner glücklich schätzen kann, Blattlauslöwen im Garten zu haben. Die Nahrungspräferenz macht sie zu exzellenten Schädlingsbekämpfern in großen Gemüsebetrieben, sowohl im Freiland als auch im Gewächshaus. Die Florfliege wurde deswegen schon im Jahr 1999 zum ersten Insekt des Jahres gekürt.

Aufgrund der Bedeutung für den Gartenbau wird die Gemeine Florfliege gewerblich gezüchtet. Im Großhandel ist sie stets als Chrysoperla carnea zu finden, ohne dass eine weitere Unterscheidung innerhalb des Komplexes vorgenommen wird.

Ein Beitrag von Max Pinther
Max Pinther ist Mitglied des Arbeitskreises Neuroptera der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie e.V. (DGaaE e.V.) und beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Netzflüglern und Kamelhalsfliegen. Als Spezialist ist er im Auftrag des Rote-Liste-Zentrums in Arbeiten rund um die Erstellung der Roten Liste der Neuropteren eingebunden.

Rote-Liste-Bewertung

Netzflügler, zu denen auch die Florfliegen gehören, sind eine farb- und formenreiche Insektengruppe, die in Deutschland mit rund 100 Arten vorkommt. Obwohl sie fast alle Lebensräume besiedeln, ist die Verbreitung der Netzflügler in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen unzureichend untersucht. Daher ist auf Bundesebene bisher nur eine provisorische Rote Liste geplant, die 2022 vom Bundesamt für Naturschutz veröffentlicht werden soll. Für Bayern gibt es seit 2020 eine Rote Liste, in der die dortigen Bestände der Gemeinen Florfliege als „ungefährdet“ aufgeführt sind,

Mit dem neuen Datenportal „Neuropteren Deutschlands“ wird es künftig leichter, Beobachtungsdaten von Florfliegen und vielen weiteren Netzflüglern zu erfassen und für den Naturschutz und die Roten Listen auszuwerten.

Die bundesweiten Roten Listen dokumentieren auf wissenschaftlicher Grundlage und in verdichteter Form die Gefährdung der einheimischen Arten. Damit sind sie ein stets verfügbares Fachgutachten, ein Frühwarnsystem für die Entwicklung der biologischen Vielfalt und eine Argumentationshilfe für umweltrelevante Planungen. Rote Listen zeigen den vordringlichen Handlungsbedarf im Artenschutz auf. Die Roten Listen Deutschlands werden von Artexperten und Artexpertinnen weitestgehend ehrenamtlich erstellt. Das Rote-Liste-Zentrum ist vom Bundesamt für Naturschutz seit dem Jahr 2020 mit der Gesamtkoordination der Roten Listen und der fachlichen Begleitung betraut. Die provisorische Rote Liste der Neuropteren wird im Band 5 (Wirbellose Tiere) des Rote-Liste-Zyklus 2009 ff. direkt vom BfN bearbeitet und veröffentlicht.