Ein verborgener Bewohner unserer Wälder

Mit seinem markanten schwarz-gelben Flecken- und Streifenmuster ist der Feuersalamander eine der bekanntesten Amphibienarten. Doch ist er überwiegend nachtaktiv und nicht leicht zu finden. So kennen ihn die meisten Menschen wohl nur von Abbildungen. Noch ist der Feuersalamander recht häufig in unseren Wäldern, aber das könnte sich bald ändern: Eine tückische Pilzinfektion breitet sich auch in Deutschland aus.

Der Feuersalamander ist unsere Art des Monats September.

Wohlbekannt, aber selten gesehen

Mit geschultem Auge und etwas Glück kann man „Lurchi“ bei einem verregneten Sommerspaziergang oder einer abendlichen Runde im Wald antreffen. Am wohlsten fühlt er sich in feuchten Nächten bei Temperaturen ab etwa 10° Celsius. Bevorzugt besiedelt er naturnahe Laub- und Mischwälder im Mittelgebirge, wo er Totholz und Gesteinsspalten als Versteckplätze vorfindet. Ein kleiner Bach, ein paar Tümpel oder ein aufgestauter Wassergraben dürfen in der Nähe nicht fehlen, da solche Kleingewässer für die Fortpflanzung unverzichtbar sind. Im Gegensatz zu fast allen anderen einheimischen Amphibienarten legen Feuersalamander-Weibchen keine Eier. Vielmehr behalten sie diese so lange im Körper, bis sie fertige kleine Larven in das Gewässer absetzen können.

Der Feuersalamander steht auf der Vorwarnliste. Deutschland ist für ihn in hohem Maße verantwortlich. Foto: Miriam Lindenmeier

Der Feuersalamander steht auf der Vorwarnliste. Deutschland ist für ihn in hohem Maße verantwortlich.

Foto: Miriam Lindenmeier

In den Wintermonaten ziehen sich die Feuersalamander (Salamandra salamandra) in möglichst frostgeschützte Nischen im Untergrund zurück und bleiben dort inaktiv bis erneut höhere Temperaturen herrschen. Meist sind solche Verstecke natürliche Höhlen, Salamander werden aber auch in alten Stollen und Bunkern gefunden. Dort wurden schon Ansammlungen von bis zu 200 überwinternden Tieren angetroffen.

Geocaching: bei Salamandern unbeliebt

Es ist schon vorgekommen, dass Forscher und Forscherinnen bei Untersuchungen an Feuersalamandern überraschenderweise einen “Geocache” mit kleinem Schatz am Ende des Tunnels vorgefunden haben und nicht nur reichlich Feuersalamander auf dem Weg dorthin. Denn Stollen und Bunker sind auch in der Geocaching-Szene bekannt. Es ist allerdings aus vielen Gründen davon abzuraten, solche Anlagen zu erkunden. Wer solche Winterquartiere entdeckt, sollte sich zurückziehen, um die empfindlichen Lurche, aber auch andere Tiere wie Fledermäuse, nicht zu stören. Verantwortungsvolle Geocacher kennen ohnehin eine Menge anderer guter Verstecke...

Wird eine Pilzerkrankung alles ändern?

Vor etwa zehn Jahren wurde eine neue Pilzkrankheit (Batrachochytrium salamandrivorans, kurz „Bsal“) in Europa entdeckt, die für viele Schwanzlurche katastrophale Folgen haben könnte. Dabei löst die Krankheit Hautläsionen aus und ist in nahezu allen Fällen bei Feuersalamandern tödlich. Da der Erreger hoch infektiös ist, kann eine Übertragung zwischen Tieren eines Gebietes, aber auch zwischen verschiedenen Gebieten rasch fortschreiten.

In den Niederlanden und im Ruhrgebiet hat es nachweislich durch Bsal schon Massensterben bei Feuersalamandern gegeben. Auch in anderen Regionen Nordrhein-Westfalens, in Rheinland-Pfalz und Bayern breitet sich der Pilz aus. Um möglichst auszuschließen, dass man selbst zu seiner Verbreitung beiträgt, sollte man zwischen unterschiedlichen Waldgebieten nur mit sauberen, vollständig durchgetrockneten Wanderschuhen, Stiefeln oder auch Fahrzeugreifen wechseln.

Der Feuersalamander ist aber auch durch Veränderungen innerhalb seines Lebensraumes bedroht. In der Vergangenheit sind viele Laubwälder in Fichtenforste umgewandelt worden, die für ihn keine günstigen Bedingungen bieten. In „aufgeräumten“ Wäldern fehlen zudem meist Tagesverstecke, wie herumliegendes Totholz. Auch nächtlicher Fahrzeugverkehr auf Straßen und Forstwegen führt regional zu einer erhöhten Sterblichkeit.

Ein Beitrag von Michael Lindenmeier
Als Student der Biologie interessiert sich Michael Lindenmeier schwerpunktmäßig für Kleinsäuger, Reptilien und Amphibien. Seit mehreren Jahren erfasst er ihre Vorkommen im Rahmen systematischer Kartierungen, aber auch bei Spaziergängen. 

Feuersalamander bevorzugen naturnahe Laub- und Mischwälder im Mittelgebirge, mit kleinen Bächen oder Tümpeln. Foto: Miriam Lindenmeier

Feuersalamander bevorzugen naturnahe Laub- und Mischwälder im Mittelgebirge, mit kleinen Bächen oder Tümpeln.

Foto: Miriam Lindenmeier

Rote-Liste-Bewertung

In der aktuellen Roten Liste der Amphibien Deutschlands wurde der Feuersalamander in die Gefährdungskategorie „Vorwarnliste“ eingestuft. Der Anteil Deutschlands am Gesamtareal der Art beträgt etwas über 10%. Zudem liegt Südwestdeutschland im Zentrum des Areals und besitzt eine besonders hohe Vorkommensdichte. Deutschland ist daher für die weltweite Erhaltung des Feuersalamanders in hohem Maße verantwortlich.

Der Steckbrief Feuersalamander der Artensuchmaschine zeigt weitere Informationen zur Rote-Liste-Bewertung – inklusive Bestandssituation, kurz- und langfristigem Bestandstrend.

Die bundesweiten Roten Listen dokumentieren auf wissenschaftlicher Grundlage und in verdichteter Form die Gefährdung der einheimischen Arten. Damit sind sie ein stets verfügbares Fachgutachten, ein Frühwarnsystem für die Entwicklung der biologischen Vielfalt und eine Argumentationshilfe für umweltrelevante Planungen. Rote Listen zeigen den vordringlichen Handlungsbedarf im Artenschutz auf.


 

Literatur und Rote Liste zum Artikel

Literatur

Bachhausen, P. (2018): Batrachochytrium salamandrivorans – die neue Gefahr für Schwanzlurche. – In: Große, W.-R. (Hrsg.): Gefährdete Molch- und Salamanderarten – Richtlinien für Erhaltungszuchten Band 2. – Mannheim (DGHT). – Mertensiella 26: 272–279.

Glandt, D. (2011): Grundkurs Amphien- und Reptilienbestimmung. Beobachten, Erfassen und Bestimmen aller europäischen Arten. – Wiebelsheim (Quelle & Meyer): 480 S.

Grimmberger, E. (2017): Die Säugetiere Mitteleuropas. Beobachten und Bestimmen. – Wiebelsheim (Quelle & Meyer): 696 S.

Kwet, A.; Werner, P. & Schulte, U. (2016): Salamander lebe hoch: Lurch des Jahres 2016. – Terraria/Elaphe 2016 (3): 41-21.

Reinhard, S. & Kupfer, A. (2016): Lebensstrategie der Feuersalamander. – Terraria/Elaphe 2016 (5): 72–80.

Thiesmeier, B. & Franzen, M. (2018): Amphibien bestimmen – am Land und im Wasser. – Bielefeld (Laurenti). – Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 18: 64 S.

Rote Liste der Amphibien Deutschlands

Rote-Liste-Gremium Amphibien und Reptilien (2020): Rote Liste und Gesamtartenliste der Amphibien (Amphibia) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (4): 86 S.

Rote Liste der Amphibien zum Download

Feuersalamander (Salamandra salamandra)

Rote-Liste-Kategorie: Vorwarnliste