Eifriger Baumeister und Landschaftsgestalter

Baumstämme sind keilförmig angenagt, Holzspäne verteilen sich drumherum: Die Fraßspuren des Bibers an Uferbäumen sind wohlbekannt, aber gesehen haben den scheuen und nachtaktiven Nager die Wenigsten. Dabei fühlt er sich wieder an vielen Gewässern in Deutschland zuhause. Dank Auswilderungsprogrammen und des Schutzes, den Biber bei uns genießen, hat sich die Population in den letzten 50 Jahren gut erholt. Dafür bedankt sich der Biber auf eigene Weise: Mit seinen legendären Baufähigkeiten hilft er dem Ökosystem. Er wandelt Auenlandschaften so um, dass sie dem Klimawandel und Artenschwund trotzen. Der Europäische Biber ist unsere Art des Monats Januar. 

So sehen Sieger aus

Ob in Nordrhein-Westfalen oder mitten im Berliner Tiergarten, der Biber fühlt sich bei uns wieder heimisch. Heute sind es ungefähr 40.000 Tiere in Deutschland – Tendenz steigend. Eine echte Erfolgsgeschichte für den Natur- und Artenschutz! Im 19. Jahrhundert war der Europäische Biber (Castor fiber) in Deutschland bis auf eine kleine Population an der Elbe ausgestorben. Da die früheren Bestandsgrößen längst nicht wieder erreicht sind, steht er in der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands noch in der Kategorie „Vorwarnliste“.

Der Europäische Biber ist Pflanzenfresser und nachtaktiv. Foto. Markus Brindl

Der Europäische Biber ist Pflanzenfresser und nachtaktiv. 

Foto. Markus Brindl

Allerdings sind nicht alle Biber, die heute bei uns an Bächen, Flüssen und Seen leben, Nachkommen solcher Elbebiber – die meisten Tiere in den westlichen Bundesländern stammen von Vorfahren ab, die aus Polen, Russland oder Frankreich umgesiedelt wurden. Seit den 1930er Jahren gab es solche Projekte, insbesondere in Bayern. Auch wenn im 20. Jahrhundert die Biberjagd schon reguliert war, geschützt ist der Biber in Deutschland erst seit 1979. Früher war er wegen seines dichten Fells, seines Fleisches oder wegen des sogenannten Bibergeils gejagt worden – eines Drüsensekrets mit vermeintlich heilender Wirkung.

Riesennager mit Familiensinn

Mit bis zu 1,3 Meter Gesamtlänge und 30 kg Körpergewicht ist der Biber das größte Nagetier Europas. Dabei ernährt er sich rein vegetarisch von Kräutern, Zweigen, Rinde, Blättern und Gras. Tagsüber schläft und putzt sich der Biber in seinem Bau: In Deutschland sind das selten echte Biberburgen, sondern eher gegrabene Aushöhlungen im Uferbereich. Hier lebt die Familie aus Eltern, Jungen sowie vorjährigen Geschwistern in den ein Quadratmeter großen Wohnkesseln. Die älteren Nachkommen helfen dabei, Nahrungsmittelspeicher unter Wasser anzulegen, Kanäle, Dämme und den Bau selbst in Stand zu halten. Dabei geht es vor allem darum, die frostige und krautpflanzenarme Jahreszeit zu überstehen. Wenn Biber Wasser aufstauen, junge Bäume fällen und die Äste ins Wasser ziehen, sorgen sie nämlich für einen Wintervorrat an frischer, nährstoffreicher Rinde. Diese Verhaltensweisen machen sie zugleich zu herausragenden Ökosystemarchitekten. 

Ein Verbündeter gegen Klimaschäden

Biber bauen Dämme. Das aufgestaute Wasser sichert im Winter den eisfreien Zugang zum Bau und hilft den Bibern, Nahrungsreserven anzulegen.  Foto: Renatas_Adobe Stock

Biber bauen Dämme. Das aufgestaute Wasser sichert im Winter den eisfreien Zugang zum Bau und hilft den Bibern, Nahrungsreserven anzulegen. 

Foto: Renatas_Adobe Stock 

Dank der Biber wandeln sich begradigte und eintönige Bachniederungen in lebendige, vielfältige Habitate für viele gefährdete Tiere und Pflanzen: Die Dämme schaffen Stillwasserbereiche und Nasswiesen mit ganz eigener Ökologie. Totholz sammelt sich im Wasser und bietet Verstecke, Wiesen und Wälder werden zu artenreichen Auen. In diesen Biotopen finden Schwarzstorch, Eisvogel, Fischotter, seltene Amphibien und zahlreiche Libellenarten hervorragende Nahrungs- und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Selbst Fledermäuse, für die über Biberteichen besonders gute Jagdbedingungen herrschen, suchen gezielt solche Talabschnitte auf. Darüber hinaus können vom Biber geprägte Landschaften als Kohlenstoffsenken wirken und sie tragen zu einem ausgeglichenen Wasserhaushalt und zu einer besseren Wasserqualität bei.

Konflikte lassen sich entschärfen

Biber sind allerdings nicht überall gerne gesehen. Gelegentlich „vergreifen“ sie sich an Ackerpflanzen oder jungen Obstbäumen. Auch durch unerwünschten Wassereinstau kann es Konflikte geben. Viele Bundesländer wie Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Berlin oder Bayern setzen auf den Austausch mit Landwirtinnen und Landwirten – Biberbeauftragte informieren Betroffene und finden gemeinsam Lösungen. Dabei reicht es meist, wenn zwischen Acker und Bach etwas Land unbestellt bleibt, denn Biber entfernen sich selten mehr als 20 Meter von ihrem Wohngewässer. Auch Maschendraht-Manschetten um Stammfüße halten sie vom Baumfällen ab. Zahlen des BUND aus Bayern zeigen, dass das Zusammenleben mit dem Biber für die allermeisten Grundbesitzer kein Problem ist. In 70% der Biberreviere in Bayern ging es in den letzten 20 Jahren friedlich zu. Zu wünschen ist, dass wir uns von dem fleißigen Landschaftsgestalter möglichst überall helfen lassen. Denn Auen-Renaturierung kann er besser als jeder Bagger. 

(Artikel veröffentlicht am 6.1.2026)

Seine Beliebtheit für Pelzmode führte im 20. Jahrhundert fasst zum Aussterben der Art in Europa. Gejagt wurden Biber auch wegen ihres Fleisches und vermeintlich heilsamen Drüsensekretes.  Foto: Erick M_AdobeStock

Seine Beliebtheit für Pelzmode führte fast zum Aussterben der Art in Europa. Gejagt wurden Biber auch wegen ihres Fleisches und vermeintlich heilsamen Drüsensekretes. 

Foto: Erick M_AdobeStock

Rote Liste und weitere Informationen

Rote Liste

Meinig, H.; Boye, P.; Dähne, M.; Hutterer, R. & Lang, J. (2020): Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere (Mammalia) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (2): 73 S.

Weitere Informationen

  • Ökologie des Bibers: Biber-Steckbrief von der Deutschen Wildtierstiftung
  • Für die Kleinen erklärt: Biber - Benno Biber erklärt euch seine Welt vom BUND
  • Broschüre „Artenvielfalt im Biberrevier“ vom Bayrisches Landesamt für Umwelt
  • Fairfax, Emily; Westbrook, Cherie (2024): The Ecology and Evolution of Beavers: Ecosystem Engineers That Ameliorate Climate Change. In: Annual Review of Ecology, Evolution, and Systematics 55 (1), S. 323–345. DOI: 10.1146/annurev-ecolsys-102722-122317.

Europäischer Biber (Castor fiber)


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