Die Osterluzei

Die alte Heilpflante ist leider giftig

Weinbegleiter mit subtropischer Verwandtschaft

In Bonn-Oberkassel wächst die Osterluzei im Überschwemmungsbereich des Rheins, sowohl in Auwaldresten als auch am Fuß von Basaltmauern und in ufernahen Steinschüttungen.

In Bonn-Oberkassel wächst die Osterluzei im Überschwemmungsbereich des Rheins, sowohl in Auwaldresten als auch am Fuß von Basaltmauern und in ufernahen Steinschüttungen.

Foto: Dr. Günter Matzke-Hajek

Die Gewöhnliche Osterluzei (Aristolochia clematitis) ist eine Staude mit gestielten, herzförmigen Blättern und einem leicht obstartigen Geruch. Aus dem Mittelmeerraum stammend ist die Osterluzei schon vor der Neuzeit auch nach Mitteleuropa gelangt. Sie wächst besonders in den Weinbaugebieten auf Böschungen, am Fuß von Hecken, Zäunen und Mauern, aber auch in Auwäldern. Regional gehen viele Vorkommen auf Verwilderungen aus Gärten zurück, in denen die Pflanze früher aus medizinischen Gründen kultiviert wurde. Insgesamt bilden Osterluzeien – weltweit sind mehr als 400 Arten bekannt – eine Gattung mit subtropischem Verbreitungsschwerpunkt.

Fliegen werden vorläufig festgenommen

Die gelben röhrigen Blüten, die ab Mai erscheinen, locken mit ihrem etwas strengen Geruch winzige Fliegen an. Diese landen an der tütenförmigen Mündung der Blüte und kriechen hinein. Abwärts gerichtete Härchen machen die Röhre zu einer Einbahnstraße. In einer bauchigen Erweiterung an der Blütenbasis streifen die Besucher mitgebrachten Pollen an der empfangsbereiten Narbe ab. Die Reusenhärchen geben den Ausgang erst wieder frei, nachdem sich die Staubbeutel geöffnet haben. Mit Pollen beladen krabbeln die Fliegen dann ins Freie und besuchen weitere Blüten.

Viele frühere Vorkommen der Osterluzei sind in den vergangenen Jahrzehnten erloschen, weil Weinlagen flurbereinigt und Unkraut „erfolgreich“ bekämpft wurde. In der Roten Liste der Gefäßpflanzen wird die Art deshalb in die Kategorie „Vorwarnliste“ eingestuft.

Ein Bilderbuch-Schmetterling – bei uns leider ausgestorben

Der Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena) erinnert oberflächlich an den Schwalbenschwanz, ist aber mit seiner anderen Flügelform und -färbung gut zu unterscheiden. Besonders charakteristisch sind eine schwarz-gelbe Wellenlinie und mehrere rote Tupfen auf den Hinterflügeln. Die Falterweibchen legen ihre Eier ausschließlich auf den Trieben der Osterluzei ab und nur von dieser Pflanze ernähren sich die Raupen.

Der Osterluzeifalter ist in Deutschland ausgestorben. Die Ursache hierfür ist nicht bekannt. Das gezeigte Exemplar wurde im Nationalpark Donauauen in Österreich fotografiert.

Der Osterluzeifalter ist in Deutschland ausgestorben. Die Ursache hierfür ist nicht bekannt. Das gezeigte Exemplar wurde im Nationalpark Donauauen in Österreich fotografiert. Es sitzt auf einem Blatt der Osterluzei.

Foto: Tino Broghammer

Bei uns wurde der Osterluzeifalter im 19. Jahrhundert sehr selten in warmen Gebieten Süddeutschlands nachgewiesen, aber keineswegs an allen Stellen, an denen die Osterluzei vorkommt. Da der Falter schon im 20. Jahrhundert eine Ausnahmeerscheinung war und in den letzten Jahrzehnten trotz Nachsuche nicht mehr beobachtet wurde, steht er in der Roten Liste der Tagfalter Deutschlands als „Ausgestorben oder verschollen“.

Die nächsten aktuellen Vorkommen finden sich in Frankreich, Österreich und Tschechien.

Und was ist mit Ostern?

Zu beantworten bleibt noch die Frage, was die Osterluzei und ihr Falter mit Ostern zu tun haben. Die Antwort: nichts! Der deutsche Name „Osterluzei“, der ein wenig nach österlichem Licht klingt, ist nur eine Verballhornung des wissenschaftlichen Gattungsnamens Aristolochia. Die Bedeutung der griechischen Wortteile áristos (= beste) und lócheia (= Geburt) verweist auf die frühere Verwendung der Pflanze als Heilpflanze für Gebärende. Heute hat Osterluzei keine Zulassung mehr als Heilmittel; sie kann Nierenschäden verursachen und steht im Verdacht, Krebs auslösen.

Die Blüten der Osterluzei sind so genannte Kesselfallen. Sie halten die bestäubenden kleinen Fliegen so lange fest, bis diese mit frischem Pollen bepudert sind. Foto: Dr. Günter Matzke-Hajek.

Die Blüten der Osterluzei sind so genannte Kesselfallen. Sie halten die bestäubenden kleinen Fliegen so lange fest, bis diese mit frischem Pollen bepudert sind.

Foto: Dr. Günter Matzke-Hajek.

Die Rote-Liste-Bewertung

Weitere Informationen zur Rote-Liste-Bewertung der Osterluzei und des Osterluzeifalters – inklusive Bestandssituation, kurz- und langfristiger Bestandstrend sowie Verantwortlichkeit Deutschlands für die weltweite Erhaltung dieser Art – finden Sie im Steckbrief Osterluzei sowie im Steckbrief Osterluzeifalter.

Die bundesweiten Roten Listen dokumentieren auf wissenschaftlicher Grundlage und in verdichteter Form die Gefährdung der heimischen Arten. Damit sind sie ein stets verfügbares Fachgutachten, ein Frühwarnsystem für die Entwicklung der biologischen Vielfalt und eine Argumentationshilfe für umweltrelevante Planungen.

Rote Listen zeigen den vordringlichen Handlungsbedarf im Artenschutz auf.

Quellen/Rote Listen

Metzing, D.; Garve, E. & Matzke-Hajek, G. (2018): Rote Liste und Gesamtartenliste der Farn- und Blütenpflanzen (Trachaeophyta) Deutschlands. – In: Metzing, D., Hofbauer, N., Ludwig, G. & Matzke-Hajek, G. (Bearb.): Rote Liste der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 7: Pflanzen. – Bonn (Bundesamt für Naturschutz). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (7): 13–358.

Reinhardt, R. & Bolz, R. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. – In: Binot-Hafke, M., Balzer, S., Becker, N., Gruttke, H., Haupt, H., Hofbauer, N., Ludwig, G., Matzke-Hajek, G. & Strauch, M. (Bearb.): Rote Liste der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Bonn (Bundesamt für Naturschutz). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3): 167–194.

Gewöhnliche Osterluzei (Aristolochia clematitis)

Rote-Liste-Kategorie: Vorwarnliste