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Wissenschaftlicher Name
Leptidea juvernica Williams, 1946
Deutscher Name
Verkannter Leguminosen-Weißling
Organismengruppe
Tagfalter und Widderchen
Rote-Liste-Kategorie
Ungefährdet
Verantwortlichkeit Deutschlands
Allgemeine Verantwortlichkeit
Aktuelle Bestandssituation
häufig
Langfristiger Bestandstrend
stabil
Kurzfristiger Bestandstrend
Daten ungenügend
Vorherige Rote-Liste-Kategorie
Daten unzureichend
Kategorieänderung gegenüber der vorherigen Roten Liste
Die Kategorieänderung ist nicht bewertbar, beispielsweise weil das Taxon in der alten Gesamtliste nicht enthalten oder nicht bewertet war (inkl. ⬧ → ⬧)
Kommentar zur Taxonomie
In der 2011 herausgegebenen Roten Liste der Tagfalter Deutschlands (Stand: Dezember 2008) wurde neben L. sinapis die Schwesterart L. reali Reissinger, 1990 (syn.: L. lorkovicii Réal) geführt. Da beide Arten äußerlich nicht unterscheidbar sind und nur genitalmorphologisch separiert werden können, konnten 2011 die meisten Nachweise zur Gattung Leptidea nur dem Artkomplex zugerechnet werden, was für beide Arten zur Einstufung „Daten unzureichend” führte. Im gleichen Jahr wurde von Dincă et al. (2011) ein drittes Taxon, L. juvernica, beschrieben, das sich weder anhand der Struktur der Genitalien noch anhand klassischer morphologischer Merkmale von L. reali unterscheiden lässt. Alle drei Arten sind jedoch genetisch gut voneinander zu trennen. In den Folgejahren wurde deutlich, dass L. reali und L. juvernica geographisch vikariierende Arten sind: Während L. reali nur in Spanien, Südfrankreich und Italien vorkommt, ist L. juvernica im westlichen, mittleren, nördlichen und (süd)östlichen Europa sowie dem paläarktischen Teil Asiens verbreitet. Sämtliche Nachweise in Deutschland, die auf Grundlage genitalmorphologischer Untersuchungen zuvor L. reali zugeordnet wurden, gehören daher aus heutiger Sicht zum Taxon L. juvernica. In den letzten gut 30 Jahren wurden knapp 8.000 Leptidea-Belege aus Deutschland genitaliter untersucht, so dass in der nun vorliegenden Roten Liste eine Gefährdungsbeurteilung für beide in Deutschland vorkommenden Arten, L. sinapis und L. juvernica, vorgenommen werden kann.
Kommentar zur Gefährdung
L. juvernica ist deutschlandweit aktuell häufig und weit verbreitet (Ausnahmen Schleswig-Holstein und Hamburg) mit einem langfristig stabilen, in einigen Ländern sogar deutlich zunehmenden Bestandstrend (Nachweise in Brandenburg erst ab den 1970er Jahren und in Mecklenburg-Vorpommern ab 1995). Der kurzfristige Bestandstrend ist in den meisten Regionen angesichts der Datenlage nur ungenügend belegt, in Thüringen (bei sehr guter Datenlage) deutlich zunehmend. Somit ergibt sich für diese Art aktuell keine Gefährdung.
Einbürgerungsstatus
Indigene oder Archäobiota
Quelle

Musche, M.; Albrecht, M.; Becker, J.; Bittermann, J.; Blanckenhagen, B. von; Böck, O.; Caspari, A.; Caspari, S.; Dolek, M.; Harpke, A.; Hermann, G.; Joger, H.G.; Kolligs, D.; Lange, A.; Müller, D.; Nunner, A.; Pollrich, S.; Reinelt, T.; Rennwald, E.; Schmitz, O.; Schönborn, C.; Schulze, W.; Schurian, K.; Strätling, R.; Wachlin, V. & Wiemers, M. (2025): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter und Widderchen (Lepidoptera: Papilionoidea et Zygaenidae) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (11): 94 S.