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Wissenschaftlicher Name
Stenobothrus crassipes (Charpentier, 1825)
Deutscher Name
Zwerggrashüpfer
Organismengruppe
Heuschrecken und Fangschrecken
Rote-Liste-Kategorie
Stark gefährdet
Verantwortlichkeit Deutschlands
In besonderem Maße für hochgradig isolierte Vorposten verantwortlich (diese werden in den Kommentaren benannt, sofern dies nicht auf alle Vorkommen in Deutschland zutrifft)
Aktuelle Bestandssituation
extrem selten
Langfristiger Bestandstrend
mäßiger Rückgang
Kurzfristiger Bestandstrend
stabil
Vorherige Rote-Liste-Kategorie
Extrem selten
Kategorieänderung gegenüber der vorherigen Roten Liste
Aktuelle Verschlechterung der Einstufung
Kommentar zur Verantwortlichkeit
S. crassipes kommt in Deutschland nur mit kleinen isolierten Populationen auf Trockenrasen (Schädler 2009) am Kyffhäuser, an der Hainleite und am Huy vor (siehe artspezifischer Kommentar zur Gefährdung). Der Anteil am Weltbestand ist somit gering (Kriterium 1: A0). Die Vorkommen können aber als hochgradig isolierte Vorposten angesehen werden (Kriterium 2: Li), da die Art flugunfähig ist und sich der Arealrand in mehr als 450km Entfernung im Süden Tschechiens und im Osten Österreichs befindet (Zuna-Kratky et al. 2009, Kočárek et al. 2013). In Kombination mit dem Kriterium 3 (G*) (vgl. Hochkirch et al. 2016) ist Deutschland in besonderem Maße für diese hochgradig isolierten Vorposten verantwortlich (siehe auch Detzel & Maas 2004).
Kommentar zur Gefährdung
Stenobothrus crassipes ist in Deutschland extrem selten. Zurzeit liegen Nachweise für sechs TK25-Rasterfelder vor: einerseits am Kyffhäuser und an der Hainleite (Köhler 1985, Köhler 2001, Schädler 2004, Wallaschek 2013, Köhler & Berger 2017, Wallaschek 2020, Weipert & Köhler 2022), andererseits am Huy im nördlichen Harzvorland (Schädler 2009, Wallaschek 2013, Wallaschek 2020). Bis in die 1990er-Jahre waren nur drei Rasterfelder mit Vorkommen der Art bekannt (Maas et al. 2002); erst danach wurden jene am Huy entdeckt (Schädler 2009). Vermutlich existieren die Populationen schon seit sehr langer Zeit und wurden lange übersehen bzw. blieben unentdeckt. Der Zwerggrashüpfer ist kurzflügelig und somit flugunfähig. In beiden Regionen gibt es bisher keine Hinweise auf Zunahmen oder Ausbreitungen (Wallaschek 2013, Köhler & Berger 2017, Köhler 2020, Wallaschek 2020). Der kurzfristige Bestandstrend wurde daher als stabil gesetzt. Langfristig ist von einem mäßigen Rückgang auszugehen, da viele Magerrasen – insbesondere am Huy – verbuscht sind oder aufgeforstet wurden (Schädler 2009) und damit ihre Eignung als Habitat verloren haben. Grundsätzlich wäre ein langfristiges Monitoring dieser extrem seltenen Art wünschenswert, da zur Bestandsentwicklung auf Populationsebene kaum etwas bekannt ist.
Einbürgerungsstatus
Indigene oder Archäobiota
Quelle

Poniatowski, D.; Detzel, P.; Drews, A.; Hochkirch, A.; Hundertmark, I.; Husemann, M.; Klatt, R.; Klugkist, H.; Köhler, G.; Kronshage, A.; Maas, S.; Moritz, R.; Pfeifer, M.A.; Stübing, S.; Voith, J.; Winkler, C.; Wranik, W.; Helbing, F. & Fartmann, T. (2024): Rote Liste und Gesamtartenliste der Heuschrecken und Fangschrecken (Orthoptera et Mantodea) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (7): 88 S.