Anders als bei vielen anderen Kursen müssen die Exponate vor der Bestimmung gut gefüttert, sprich auf einem Nährmedium angezüchtet, werden. Erst dann können Schlauchalgen bis zur Art bestimmt werden. Ein Schlauchalgen-Experte bot dafür im August und September 2025 im Auftrag des Rote-Liste-Zentrums einen viertägigen Kurs an. Schlauchalgen sind eine wenig bekannte und unscheinbare Pflanzengruppe, für die es in Deutschland nur noch sehr wenig Expertise gibt.
Im Kurs stand die praktische Arbeit im Umgang mit dieser komplexen Artengruppe im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden lernten zuerst die Taxonomie und Vermehrungsformen der Schlauchalgen kennen. Feldexkursionen gaben einen lebendigen Einblick in die Habitate der Schlauchalgen und wurden dazu genutzt, Material zu sammeln. Die Kursteilnehmenden legten Rohkulturen an und bestimmten in einem zweiten Schritt nach Bildung der Fortpflanzungsorgane die Algen bis zur Art.

Um Schlauchalgen bis zur Art zu bestimmen, muss man sie zuvor anzüchten.
Foto: Sandra Ehrmann
Der Kursleiter und Rote-Liste-Autor Dr. Karl-Heinz Linne von Berg brachte dafür Material mit und entwickelte einen Bestimmungsschlüssel. Er stellte außerdem Nährmedien zur Verfügung, mit denen die Teilnehmenden auch nach dem Kurs weiterarbeiten können. Er wird sie weiterhin bei der Bestimmung ihrer Präparate unterstützen.
Die Begeisterung war ansteckend: Fast alle Teilnehmenden haben vor, sich weiterhin mit Schlauchalgen zu beschäftigen und werden sich im Frühjahr 2026 erneut treffen. Für das Rote-Liste-Zentrum ist das von besonderer Bedeutung, um langfristig die Kenntnis zur Taxonomie und zur Verbreitung der Schlauchalgen in Deutschland zu erhöhen und auch in Zukunft die Erstellung der Roten Liste für diese Algengruppe sicherzustellen.

Schlauchalgen können morphologisch zumeist nur mit dem Mikroskop bestimmt werden, wie hier vom Kursleiter.
Foto: Sandra Ehrmann
Schlauchalgen sind kleine, verzweigt wachsende Algen, die schlauchförmig organisiert sind. Es gibt zwei Gattungen: Asterosiphon mit nur einer Art und Vaucheria mit 44 Arten/Unterarten in Deutschland. Ca. 1/3 der Arten kommt an Küstenstandorten vor, 2/3 im Binnenland. Terrestrische Schlauchalgen werden nur selten untersucht. Zu ihrer Bestimmung ist in den meisten Fällen die Ausbildung weiblicher (Oogonien) oder männlicher (Antheridien) Fortpflanzungsorgane erforderlich, die erst nach längerer Kultur auftreten. Daher ist über die Verbreitung und Häufigkeit vieler Schlauchalgenarten wenig bekannt.
(Artikel veröffentlicht am 28.11.2025)

Unter den Teilnehmenden waren Frauen und Männer, die sich beruflich aber auch ehrenamtlich mit Algen beschäftigen.
Foto: Sandra Ehrmann