Hundertfüßer, Doppelfüßer (Myriapoda: Chilopoda, Diplopoda)

Die Klasse der Hundertfüßer gehört mit den Doppelfüßern sowie Zwerg- und Wenigfüßern zu den Tausendfüßern. Auch wenn es Arten gibt, die weit über hundert Beine haben, so gibt es in Deutschland keine, die tatsächlich tausend Beine hat. Die Namen sind etwas irreführend: Mit ihren zwei Beinpaaren pro Körpersegment haben Doppelfüßer meist mehr Beine als charakteristische Vertreter der Hundertfüßer.

Von lichtscheuen Räubern und nützlichen Zersetzern

Hundertfüßer und Doppelfüßer sind eine bodenökologisch bedeutsame Organismengruppe. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Funktionalität von Böden und zum Erhalt eines intakten Naturhaushalts.

Hundertfüßer sind schnelle, nachtaktive Räuber, die die Bestände ihrer Beutetiere in der Bodenstreu regulieren. Dies sind meist kleinere Tiere mit einer relativ weichen Haut, wie beispielsweise Spinnen, Asseln, Springschwänze und Würmer.

Doppelfüßer ernähren sich zum Großteil von abgestorbenen Pflanzen, Algen und Pilzen. Sie spielen eine wichtige Rolle im Naturhaushalt, indem sie zum Abbau organischer Substanz beitragen. Solche Zersetzer werden in der Biologie „Destruenten“ genannt.

Wie geht es den Hundertfüßern?

In Deutschland leben 58 etablierte Hundertfüßerarten; sie wurden in der Roten Liste bewertet. In die Gesamtartenliste wurden darüber hinaus 4 Arten aufgenommen, die durch den Menschen eingeschleppt wurden und sich in Deutschland verbreiten konnten. Nicht berücksichtigt wurden Arten, die bisher nur in Gewächshäusern gefunden wurden.

Von den etablierten Arten gelten 6 Arten (10,3 %) als bestandsgefährdet: Der Meeres-Hundertfüßer (Strigamia maritima) ist „Vom Aussterben bedroht“ und 5 weitere Arten (8,6 %) gelten als „Gefährdet“. Von Natur aus „Extrem selten“ sind 3 Arten (5,2 %), für 5 Arten (8,6 %) reichte die Datenlage nicht für eine Einschätzung der Gefährdungssituation aus. Mit 44 Hundertfüßer-Arten (75,9 %) ist die Mehrzahl der Arten aktuell „Ungefährdet“.

Wie geht es den Doppelfüßern?

In Deutschland kommen 124 etablierte Doppelfüßerarten und -unterarten vor. Durch den Menschen eingeschleppte Arten, die nur in warmen Gewächshäusern sowie an vereinzelten Orten entlang von Verkehrswegen gefunden wurden, sind nicht Teil der Gesamtartenliste der Doppelfüßer.

Insgesamt sind 15 Arten (12,1 %) der Doppelfüßer bestandsgefährdet: 3 Arten (2,4 %) sind „Vom Aussterben bedroht“, 9 Arten (7,3 %) gelten als „Stark gefährdet“, 2 Arten (1,6 %) als „Gefährdet“, bei einer Art (0,8 %) besteht eine „Gefährdung unbekannten Ausmaßes“ und eine Art gilt in Deutschland als „Ausgestorben oder verschollen“. Von Natur aus „Extrem selten“ sind 17 Arten (13,7 %) und 2 Arten (1,6 %) stehen auf der „Vorwarnliste“. Aufgrund fehlender Daten konnte 6 Arten (4,8 %) keine Kategorie zugewiesen werden. Als „Ungefährdet“ sind 83 Doppelfüßer-Arten (66,9 %) verzeichnet.

Für die weltweite Erhaltung von 12 Doppelfüßerarten und -unterarten hat Deutschland eine erhöhte Verantwortlichkeit. Diese kommen entweder nur oder fast nur hierzulande vor oder die hier lebenden Bestände sind hochgradig von anderen Populationen isoliert.

Gefährdungsursachen und Schutzmaßnahmen

Besonders gefährdet sind Hundertfüßer und Doppelfüßer durch den Verlust geeigneter Lebensräume wie Trockenrasen und Heiden, aber auch Grasland, Moore, Auenwälder, Bruchwälder, extensive Agrarflächen und strukturreiche Mischwälder mit hohem Totholzanteil.

Die Intensivierung der Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln sowie die Anreicherung von Nährstoffen in Gewässern und Böden führen zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen in vielen Ökosystemen.

Durch den Klimawandel verringert sich zudem die Zahl geeigneter Lebensräume für feuchtigkeits- und kühleliebende Arten. Kleiner werdende und isolierte Biotope können die genetische Vielfalt der dort lebenden Arten erheblich beeinträchtigen.

Um die in Deutschland vorkommenden Hundertfüßer und Doppelfüßer besser zu schützen, empfehlen die Autorinnen und Autoren der Roten Liste insbesondere den Erhalt und die Förderung strukturreicher Lebensräume sowie deren bessere Vernetzung durch Verbindungskorridore als zentrale Schutzmaßnahmen.

Aktuelle Rote Liste

(Stand: April 2023 [Daten], Oktober 2025 [Taxonomie] )

Decker, P.; Burkhardt, U.; Hauser, H.; Lindner, E.N.; Moritz, L.; Reip, H.; Spelda, J. & Voigtländer, K. (2026): Rote Liste und Gesamtartenliste der Hundertfüßer und Doppelfüßer (Myriapoda: Chilopoda et Diplopoda) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (12): 83 S.

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar.

Artenportraits und Themenspecials

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