- Wissenschaftlicher Name
- Haplogona oculodistincta (Verhoeff, 1893)
- Organismengruppe
- Hundertfüßer und Doppelfüßer
- Rote-Liste-Kategorie
- Extrem selten
- Verantwortlichkeit Deutschlands
- Allgemeine Verantwortlichkeit
- Aktuelle Bestandssituation
- extrem selten
- Langfristiger Bestandstrend
- Daten ungenügend
- Kurzfristiger Bestandstrend
- Daten ungenügend
- Vorherige Rote-Liste-Kategorie
- Kein Nachweis, nicht gelistet ohne es ausdrücklich auszuschließen oder kein etabliertes Vorkommen nachgewiesen (auch nicht unter einem anderen Namen).
- Kategorieänderung gegenüber der vorherigen Roten Liste
- Die Kategorieänderung ist nicht bewertbar, beispielsweise weil das Taxon in der alten Gesamtliste nicht enthalten oder nicht bewertet war (inkl. ⬧ → ⬧)
- Kommentar zur Taxonomie
- H. oculodistincta ähnelt morphologisch den Angehörigen der Familie Chordeumatidae; sie gehört allerdings der für Deutschland neuen Familie Verhoeffiidae an. Die Art selbst ist in keinem Bestimmungsschlüssel enthalten. Vielmehr müssen die Originalbeschreibungen dieser dreimal beschriebenen Art herangezogen werden. Die beste Beschreibung findet sich bei Verhoeff (1895) unter dem Namen Verhoeffia illyricum. Auch die Beschreibung von Attems (1895) als Chordeuma graecense kann verwendet werden. Hingegen ist die Originalbeschreibung von Verhoeff (1894) als Chordeuma oculodistinctum dermaßen kryptisch, dass die Synonymie lange nicht erkannt wurde.
- Weitere Kommentare
- Nachdem die Art schon seit längerem aus dem benachbarten Salzkammergut bekannt war (Spelda 1996) und weitere neuere Nachweise aus grenznahen Gebieten in Österreich erbracht wurden (Decker et al. 2025), konnte sie im Jahre 2021 im Inn- und Donautal aus der Umgebung von Passau erstmals für Deutschland nachgewiesen werden, was sich nahtlos an das bekannte Verbreitungsgebiet der Art anschließt. Die neuen deutschen Funde, wie auch die österreichischen Funde, betreffen sehr naturnahe Waldbiotope. Diese Vorkommen werden aufgrund ihrer Verbreitung und Habitatbesiedlung als autochthon betrachtet. Zudem handelt es sich bei dieser Art, wie auch bei allen anderen Vertretern der Samenfüßer, um eine Art mit einjährigem Lebenszyklus, deren Adulti nur für wenige Monate im Jahr auftreten. Aufgrund der bekannten Verbreitung, Ökologie und Biologie kann auf eine Etablierung in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Deutschland geschlossen und eine Verschleppung ausgeschlossen werden. H. oculodistincta gehört zu jenen wärmebedürftigen Tierarten, die postglazial entlang der Donau flussaufwärts vorgedrungen sind und in der Umgebung von Passau die Westgrenze ihrer Verbreitung erreicht haben. Ein weiteres Vordringen ist angesichts des Klimawandels nicht unwahrscheinlich. Für andere Regionen ihres Verbreitungsgebietes wird sie aufgrund ihrer ökologischen Anpassungsfähigkeit als Pionierart eingeschätzt (Kime & Enghoff 2021).
- Arealrand
- Nördlich
- Einbürgerungsstatus
- Indigene oder Archäobiota
- Quelle
-
Decker, P.; Burkhardt, U.; Hauser, H.; Lindner, E.N.; Moritz, L.; Reip, H.; Spelda, J. & Voigtländer, K. (2026): Rote Liste und Gesamtartenliste der Hundertfüßer und Doppelfüßer (Myriapoda: Chilopoda et Diplopoda) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (12): 83 S.