Köcherfliegen (Trichoptera)

Entgegen ihrer deutschen Benennung sind die Köcherfliegen keine Fliegen, sondern bilden eine eigene Insektenordnung. Ihr Aussehen ähnelt am ehesten dem von Schmetterlingen, mit denen sie tatsächlich nächstverwandt sind. Anstelle von Schuppen tragen ihre in Ruhe steil dachförmig auf dem Rücken gehaltenen Flügel jedoch größtenteils feine Haare, und statt eines Rollrüssels besitzen sie meist leckend-saugende Mundwerkzeuge. In Deutschlands Gesamtartenliste sind 315 Arten von Köcherfliegen als etabliert erfasst. Köcherfliegen gehören zu den wichtigsten Indikatororganismen für die Gewässergüte und -struktur.

Baumeister unter Wasser

Von zwei Ausnahmen abgesehen entwickeln sich die Larven der einheimischen Köcherfliegen in unterschiedlichsten Typen stehender und fließender Gewässer. Je nach ökologischer Präferenz besiedeln sie Abschnitte mit verschiedenen Fließgeschwindigkeiten, Substratverhältnissen, Wassertemperaturen und mit unterschiedlichsten Mengen an organischer Fracht. Die meisten Arten bauen als Larve einen transportablen Köcher, der sie vorrangig vor Fressfeinden schützt – daher die Bezeichnung Köcherfliegen. Zum Bau dieser meist röhrenartig geformten Schutzhüllen verwenden sie neben den selbst produzierten seidenartigen Fäden – meist ebenfalls artspezifisch – verschiedene Materialien wie Sand, kleine Steinchen, Blattstücke, Halme, Holzteilchen oder Muschel- und Schneckenschalen. Entsprechend vielfältig sehen die Köcher aus: sie weisen unterschiedliche Querschnitte auf, sind gebogen oder gerade und regelmäßig oder unregelmäßig gebaut. Einige Arten wohnen angeklebt an festen Substraten in stationären Gehäusen, teils mit filigranen Netzen zum Auffangen abdriftender Nahrung, oder sie bewegen sich frei.

Schwimmende Puppen

Zur Verpuppung bauen alle Arten ein Gehäuse bzw. eine Puppenhülle (Kokon) um sich oder verschließen ihren Köcher. Einmalig unter den Insekten ist, dass die Puppen schwimmen können. Vor dem endgültigen Schlüpfen beißen sie ihren Kokon auf, bewegen sich mithilfe haarbesetzter Beine zur Wasseroberfläche und häuten sich dort oder an Uferstrukturen zum erwachsenen Insekt (Imago). Die meist dämmerungs- und nachtaktiven Imagines halten sich vorwiegend in Ufernähe auf. Eine Reihe von Arten kann zur Partnerfindung in großen Schwärmen auftreten.

Wie geht es den Köcherfliegen?

Etwa 33 % der Köcherfliegenarten sind bestandsgefährdet. Acht Arten gelten als ausgestorben oder verschollen (3 %). Als ungefährdet sind derzeit 43 % der Köcherfliegenarten eingestuft, weitere 20 % stehen auf der Vorwarnliste. Von den restlichen Arten sind sechs extrem selten (2 %) und eine konnte mangels ausreichender Daten nicht eingestuft werden.

Neben dem Verlust von Lebensräumen sind Köcherfliegen vor allem durch Eingriffe in ihre Entwicklungsgewässer gefährdet: Neben der Verschmutzung und dem verstärkten Nährstoffeintrag spielen auch die Wasserentnahme und der Gewässerausbau sowie eine unsachgemäße Gewässerunterhaltung wie beispielsweise durch den Austrag von Totholz oder Pflanzenbewuchs eine große Rolle.

Aktuelle Rote Liste

(Stand 31. Dezember 2007)

Robert, B. (2016): Rote Liste und Gesamtartenliste der Köcherfliegen (Trichoptera) Deutschlands. – In: Gruttke, H.; Balzer, S.; Binot-Hafke, M.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G.; Matzke-Hajek, G. & Ries, M. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 4: Wirbellose Tiere (Teil 2). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (4): 101–135.

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar.