Rüsselkäfer (i.e.S.; Coleoptera: Curculionoidea)

Rüsselkäfer bilden eine Überfamilie der Käfer, zu der in Deutschland 937 etablierte Arten und Unterarten gehören. Neben den eigentlichen Rüsselkäfern (Curculionidae) werden in der vorliegenden Roten Liste fünf weitere Käferfamilien (Apionidae, Attelabidae, Cimberidae, Nemonychidae, Rhynchitidae) bewertet. Die ebenfalls verwandten Familien Anthribidae, Platypodidae und Scolytidae werden dagegen in der Liste der Borkenkäfer behandelt.

Wie winzige Elefanten unter den Käfern

Warum die Rüsselkäfer ihren Namen tragen, wird schnell klar, wenn man ihren Kopf betrachtet: Ihre unauffälligen Mundwerkzeuge liegen an der Spitze einer rüsselartigen Verlängerung des Kopfes, die Rostrum genannt wird. Die Länge des Rostrums, an dem seitlich die Fühler ansetzen, variiert von Art zu Art und übertrifft teilweise die Körperlänge, wie beispielsweise beim Haselnussbohrer.

Wählerische Feinschmecker

Rüsselkäfer fressen ausschließlich an Pflanzen. Viele Arten sind in ihrer Nahrungswahl stark spezialisiert und haben sich an einzelne Pflanzenarten oder gar bestimmte Teile ihrer Nahrungspflanze angepasst. Dies gilt sowohl für die ausgewachsenen Tiere als auch für die Larven. Die Weibchen sorgen dafür, dass schon die jüngsten Stadien ihre spezielle Nahrung erhalten. Hierzu nagen die Weibchen kleine Löcher in das Gewebe „ihrer“ Lieblingspflanzen, legen dort Eier ab und versenken diese oft noch mit Hilfe des Rüssels.

Wie geht es den Rüsselkäfern?

In Deutschland sind 19 Rüsselkäfer-Arten durch den Menschen eingeschleppt (Neobiota). Von den 918 einheimischen Arten und Unterarten sind 44 % ungefährdet. Auf der Vorwarnliste befinden sich 9 % und für 2 % sind die Daten für eine Bewertung unzureichend. In die Kategorie „Gefährdet“ und „Stark gefährdet“ fallen jeweils 14 % und 3 % sind gefährdet, ohne dass das Ausmaß der Gefährdung genauer abgeschätzt werden kann. Vom Aussterben bedroht sind 8 % der Arten und Unterarten, 31 Arten (3 %) sind bereits ausgestorben oder verschollen. Weitere 3 % sind extrem selten.

Der Verlust von Lebensraum als Folge von intensiverer Landnutzung stellt – oft in Kombination mit dem Rückgang spezieller Nahrungspflanzen – die wichtigste Gefährdungsursache für Rüsselkäfer dar.

Aktuelle Rote Liste

(Einstufung Stand Mai 2011, Nomenklatur Stand August 2013: vereinzelte inhaltliche Beiträge bis August 2019)

Sprick, P.; Behne, L. & Maus, C. (2021): Rote Liste und Gesamtartenliste der Rüsselkäfer (i. e. S.) Deutschlands (Überfamilie Curculionoidea; exklusive Anthribidae, Scolytidae, Platypodidae). – In: Ries, M.; Balzer, S.; Gruttke, H.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G. & Matzke-Hajek , G. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 5: Wirbellose Tiere (Teil 3). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (5): 335-412

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar.