Blatt-, Samen- und Resedakäfer (Coleoptera: Chrysomelidae, Bruchidae; Urodontinae)

Die Blattkäfer im weiten Sinne sind mit den Bockkäfern verwandt und wie diese vorwiegend Pflanzenfresser. Einige haben eine längliche Gestalt, die meisten sind aber eiförmig oder ganz rund und dabei teilweise bunt oder metallisch glänzend gefärbt. Im Rahmen der Roten Liste werden 514 Blatt-, 29 Samen- und 3 Resedakäferarten als in Deutschland etabliert betrachtet. Von diesen insgesamt 546 Arten sind 8 etablierte Neozoen, die aber nicht bewertet wurden.

Blätter – Aufenthalt und Nahrung

Die meisten Käfer der Gesamtartenliste ernähren sich von Blütenpflanzen. Dabei leben 70 % an krautigen Pflanzen, 23 % an Gehölzen und 7 % an Gräsern. Viele von ihnen sind eng an spezielle Biotope gebunden und zeigen zudem starke Abhängigkeiten von bestimmte Fraßpflanzen oder besonderen mikroklimatischen Verhältnissen. Auch ihre Larven ernähren sich von Pflanzen: Manche sitzen dabei frei an Blättern, andere in oder an Wurzeln oder sie sind Stängelbewohner. Eine geringe Anzahl von Arten, darunter auch der aus Nordamerika eingeschleppte Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) führt zu Problemen in landwirtschaftlichen Kulturen.

Auffallend ist die Empfindlichkeit vieler Vertreter gegenüber Biotopveränderungen. Ist eine Population erst einmal erloschen, besteht nur selten die Möglichkeit einer Wiederbesiedlung von geeigneten Lebensräumen. Blattkäfer sind damit für die Zustandsanalyse verschiedener Biotope besonders geeignet.

Wie geht es den Blatt-, Samen- und Resedakäfern?

Von den 538 einheimischen Taxa wurden 241 in eine Rote-Liste-Kategorie aufgenommen, dies entspricht 45 % des bewerteten Artenspektrums. Davon sind 130 Arten (24 %) vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet; 20 Arten (4 %) sind ausgestorben oder verschollen. Als gefährdet gelten 91 Arten (17 %), 16 Arten (3 %) werden der Kategorie „Extrem selten“ zugeordnet. 233 Arten (43 %) sind ungefährdet, 29 (5 %) stehen auf der Vorwarnliste und bei 19 Arten (4 %) reicht die Datenlage für eine Einstufung nicht aus. Für knapp die Hälfte der Arten wurde langfristig ein Rückgang festgestellt, weniger als ein Prozent der Arten zeigte langfristige Zunahmen.

Die Gefährdung der Blatt-, Samen- und Resedakäfer geht trotz ihrer oft engen Fraßpflanzenbindung nur selten vom Rückgang einzelner Pflanzenarten aus. Vielmehr sind meist Habitatzerstörung und Flächenverluste naturnaher Standorte sowie die Intensivierung und andere Veränderungen der Landnutzung ursächlich.

Aktuelle Rote Liste

(Stand 01.12.2011)

Fritzlar, F.; Schöller, M. & Sprick, P. (2021): Rote Liste und Gesamtartenliste der Blatt-, Samen- und Resedakäfer (Coleoptera: Chrysomelidae, Bruchidae; Urodontinae) Deutschlands. – In: Ries, M.; Balzer, S.; Gruttke, H.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G. & Matzke-Hajek , G. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 5: Wirbellose Tiere (Teil 3). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (5): 293-331

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar.