- Wissenschaftlicher Name
- Leptoiulus montivagus (Latzel, 1884)
- Synonyme bzw. Name in der vorherigen Roten Liste
- Leptoiulus braueri (Verhoeff, 1895); Leptoiulus weberi Verhoeff, 1927
- Organismengruppe
- Hundertfüßer und Doppelfüßer
- Rote-Liste-Kategorie
- Vom Aussterben bedroht
- Verantwortlichkeit Deutschlands
- Allgemeine Verantwortlichkeit
- Aktuelle Bestandssituation
- extrem selten
- Langfristiger Bestandstrend
- mäßiger Rückgang
- Kurzfristiger Bestandstrend
- mäßige Abnahme
- Vorherige Rote-Liste-Kategorie
- Extrem selten
- Kategorieänderung gegenüber der vorherigen Roten Liste
- Aktuelle Verschlechterung der Einstufung
- Kommentar zur Taxonomie
- Die Bestimmung ist nach Schubart (1934) als L. weberi erfolgt. Bei L. montivagus handelt es sich um einen Artkomplex, dessen Taxa teilweise als eigene Arten angesehen werden (Kurnik & Thaler 1985), teilweise aber auch alle (u.a. L. weberi Verhoeff, 1927, L. braueri Verhoeff, 1895) der Sammelart L. montivagus zugeschlagen werden (Kime & Enghoff 2017, Decker et al. 2024). Die Art wird hier als Artkomplex L. montivagus behandelt, aber die deutlichen ökologischen Unterschiede der beiden bisher bekannten deutschen Populationen sprechen für ein Vorliegen unterschiedlicher Arten. Weitere morphologische und molekulargenetische Untersuchungen sind nötig um dies abschließend zu klären.
- Kommentar zur Gefährdung
- Die beiden Populationen von L. montivagus bewohnen gefährdete Biotope. Aufgrund der davon ausgehenden mäßigen Abnahme im kurzfristigen Bestandstrend sowie der extremen Seltenheit ergibt sich die Rote-Liste-Kategorie „Vom Aussterben bedroht“. Aufschlussreich sind dabei auch die Vorkommen im benachbarten Ausland. Die westliche, im Kaiserstuhl beheimatete Population wurde zwar auf Rebflur-Sukzessionsflächen gefunden, die einzige weitere Population dieses Taxons findet sich aber in einem halbtrockenrasenartigen Biotop in der Schweiz, in der Nähe von Basel, also einem stark gefährdeten Biotoptyp. Die östliche, im südlichen Bayerischen Wald beheimatete Population scheint auf Blockhaldenbiotope beschränkt zu sein. Die intensive Kartierung im benachbarten Tschechien (Kocourek et al. 2023) zeigt eine klare Beschränkung auf ein kleines Areal im südlichen Teil des Böhmerwaldes. Die deutschen Funde schließen sich hier nahtlos an. Im Zuge des Klimawandels sind die Blockhaldenbiotope, welche Rückzugsorte für eine kälteliebende Fauna darstellen, stark gefährdet.
- Weitere Kommentare
- Thaler et al. (1993) führen für das österreichische Karwendelgebirge L. braueri Verhoeff, 1895 als eigenständige Art auf. Es ist anzunehmen, dass dieses Taxon auch in Deutschland auftritt. Somit sind in Deutschland Vorkommen dreier Reliktpopulationen mit unterschiedlichen ökologischen Ansprüchen zu erwarten. Der Reliktcharakter der einzelnen Populationen des L. montivagus-Komplexes ist auf den Verbreitungskarten bei Kurnik & Thaler (1985) sowie Kime & Enghoff (2017) gut ersichtlich.
- Arealrand
- Nördlich
- Einbürgerungsstatus
- Indigene oder Archäobiota
- Quelle
-
Decker, P.; Burkhardt, U.; Hauser, H.; Lindner, E.N.; Moritz, L.; Reip, H.; Spelda, J. & Voigtländer, K. (2026): Rote Liste und Gesamtartenliste der Hundertfüßer und Doppelfüßer (Myriapoda: Chilopoda et Diplopoda) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (12): 83 S.