Phytoparasitische Kleinpilze (Basidiomycota p.p., Ascomycota p.p. & Peronosporales)

Das Reich der Pilze ist vielfältig – nicht nur im Hinblick auf die Artenvielfalt, sondern auch in den Lebensweisen und ökologischen Funktionen. Phytoparasitische Pilze sind Organismen, die auf oder innerhalb von lebenden Farn- und Blütenpflanzen wachsen und sich von diesen ernähren. Aus den in Deutschland vorkommenden wichtigsten Gruppen – den Brand-, Rost- und echten Mehltaupilzen sowie den falschen Mehltauen und Weißrosten – sind 1.324 etablierte Taxa bekannt. Von ihnen sind 1.196 Taxa einheimisch und 128, also fast 10 %, Neomyzeten.

Oft übersehen und schlecht beleumundet

Die meisten phytoparasitischen Kleinpilze sind unauffällig. Anstelle der in Stiel und Hut gegliederten Fruchtkörper vieler Großpilze bilden sie an Blättern und Sprossen ihrer Wirtspflanzen oft nur abweichend gefärbte Flecken, Beläge, Krusten, Gallen oder Deformationen aus. Für die genaue Bestimmung der Arten ist es oft notwendig, Sporenmerkmale und andere Strukturen zu mikroskopieren. Eine hervorragende Hilfe bietet das Identifizieren der Wirtspflanzen, denn viele phytoparasitische Pilze wachsen nur auf einer oder wenigen Pflanzenarten.

Mit dem Ausdruck ‚Parasit‘ wird schnell etwas Negatives verbunden. Wirt-Parasit-Beziehungen sind aber keine krankhafte und behandlungsbedürftige Ausnahme, sondern allgegenwärtig und von großer regulatorischer Bedeutung für die Ökosysteme. Selbst für seltene Pflanzenarten ist der Befall durch einen phytoparasitischen Pilz nicht existenzbedrohend – Wirt und Parasit stehen in einem ausbalancierten Gleichgewicht. Es handelt sich um Organismen, die in den Lebensgemeinschaften eine ebenso wichtige Rolle spielen können wie andere Pilze, Tiere und Pflanzen auch.

Wie geht es den phytoparasitischen Kleinpilzen?

Der Naturschutz hat den phytoparasitischen Kleinpilzen bisher nur wenig Beachtung geschenkt. Der Anteil der vom Aussterben bedrohten Arten dieser Organismengruppe liegt bei 13 % und ist damit höher als bei den meisten anderen Tier-, Pflanzen- und Pilzgruppen. Insgesamt sind 34 % der Arten in ihrem Bestand gefährdet. Weiterhin sind mehr als 10 % bereits ausgestorben oder verschollen. Ungefährdet sind nur 40 % der in Deutschland einheimischen 1.196 Taxa. Bei 5 % reicht die Datenlage für eine Gefährdungseinstufung nicht aus.

Wegen der engen Wirtsbindung sind viele Arten besonders dann gefährdet, wenn auch ihre Wirtspflanzen zurückgehen. Für ihre Rückgänge sind deshalb die gleichen Ursachen verantwortlich wie für die Rückgänge vieler Farn- und Blütenpflanzen. Dazu gehören die Nutzungsintensivierung in der Landwirtschaft, vor allem die Eutrophierung nährstoffarmer Standorte, die Aufgabe der Bewirtschaftung von ertragsarmen Flächen, die Entwässerung von Feuchtstandorten und die Aufforstung von Offenland. Eine weitere spezifisch auf Pilze wirkende Gefährdungsursache ist der großflächige Einsatz von Fungiziden auf Äckern und landwirtschaftlichen Dauerkulturen. Zusätzlich wirken sich Immissionen und Schadstoffeinträge über die Luft sowie die zunehmende Inanspruchnahme vormals nicht versiegelter Flächen durch Baumaßnahmen negativ auf die Bestände vieler Pflanzenpilze aus.

Aktuelle Rote Liste

(Stand Dezember 2019 [Daten], Februar 2021 [Taxonomie] )

Thiel, H.; Klenke, F.; Kruse, J.; Kummer, V. & Schmidt, M. (2023): Rote Liste und Gesamtartenliste der phytoparasitischen Kleinpilze Deutschlands [Brandpilzverwandte (Exobasidiomycetes p.p., Ustilaginomycetes p.p.), Rostpilzverwandte (Kriegeriaceae p.p., Microbotryales, Pucciniales), Wurzelknöllchenpilze (Entorrhizaceae), Echte Mehltaupilze (Erysiphaceae), Falsche Mehltaue (Peronosporaceae p.p.) und Weißroste (Albuginaceae)]. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (5): 347 S.

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