Bockkäfer (Coleoptera: Cerambycidae)

Der Name dieser Familie bezieht sich auf die oft hornartig gekrümmten und sichtbar gegliederten Fühler, die bei manchen Arten an den Kopfschmuck von Steinböcken erinnern. Zu den 177 in Deutschland etablierten Bockkäferarten gehören viele große und auffällige Taxa. Die Mehrzahl ist an alt- und totholzreiche Wälder gebunden, da sich ihre Larven überwiegend in Holz unterschiedlichen Zersetzungsgrades entwickeln.

Vegetarier mit bunter Rüstung

Die prominentesten Bockkäfer besitzen einen schlanken Hinterleib und auffällig gefärbte oder kontrastreich gefleckte Flügeldecken. Als Beispiele seien der blau-schwarze Alpenbock (Rosalia alpina), der metallisch grün oder violett schimmernde Moschusbock (Aromia moschata) und die schwarz-gelben Wespenböcke (Gattungen Clytus und Plagionotus) genannt. Die in Deutschland vorkommenden Bockkäfer sind reine Pflanzenfresser, wobei sich die Larven vieler Arten von totem Holz ernähren. Andere leben in krautigen Pflanzen oder in der Erde, wo sie an Wurzeln fressen. Die ausgewachsenen Bockkäfer ernähren sich je nach Art von Pollen, Blütenorganen oder Baumsäften, einige auch von Rinde, Blättern oder krautigen Sprossen. Ohne solche Nahrung ist bei vielen Arten die Fortpflanzung gestört. Besonders die blütenbesuchenden Arten können auch weit entfernt von ihren Brutbäumen angetroffen werden, denn sie sind gute Flieger.

Wie geht es den Bockkäfern?

Von den 174 indigenen Bockkäfer-Arten wurden 71 in eine Rote-Liste-Kategorie aufgenommen, dies entspricht 41 % des bewerteten Artenspecktrums. Davon sind 20 Arten (12 %) vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet; 4 Arten (2 %) sind ausgestorben oder verschollen. Als gefährdet gelten 28 Arten (16 %), 15 Arten (9 %) werden der Kategorie „Extrem selten“ zugeordnet. 89 Arten (51 %), also etwas mehr als die Hälfte, sind ungefährdet, 12 (7 %) stehen auf der Vorwarnliste und bei 2 Arten (1 %) reicht die Datenlage für eine Einstufung nicht aus. Bisher konnten sich nur 3 gebietsfremde, eingeschleppte Bockkäferarten in Deutschland dauerhaft etablieren und dies auch nur in begrenzten Gebieten.

Gefährdungsursachen sind bei vielen Arten die Nutzungsänderungen in ehemals lichten Wäldern oder der Verlust alter, tief beasteter Solitärbäume. Ähnliche Wirkungen kann der Verlust alter Obst-Hochstämme in ländlichen Siedlungen haben. Das gilt vor allem dann, wenn dadurch eine lange Biotoptradition unterbrochen wird und in der Nähe keine Ersatzbäume existieren.

Aktuelle Rote Liste

(Stand September 2011)

Bense, U.; Bussler, H.; Möller, G. & Schmidl, J. (2021): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bockkäfer (Coleoptera: Cerambycidae) Deutschlands. – In: Ries, M.; Balzer, S.; Gruttke, H.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G. & Matzke-Hajek , G. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 5: Wirbellose Tiere (Teil 3). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (5): 269-290

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als  Download verfügbar.