Wissenswertes zu Tieren, Pflanzen und Pilzen entdecken
Von den etwa 72.000 in Deutschland einheimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind in den Roten Listen rund 37.000 auf ihre Gefährdung hin untersucht. Ergänzend zu diesen wissenschaftlichen Fachgutachten geben die Artenportraits des Rote-Liste-Zentrums einen Einblick in die Lebensweise von Tieren und Pflanzen. Themenspecials mit Berichten und Interviews zeigen darüber hinaus, wie Rote-Liste-Arbeit in der Praxis aussieht und stellen Expertinnen und Experten vor. Eigene Themenwelt-Seiten informieren über gesetzliche Schutzmaßnahmen.
-

„Bäumchen wechsel dich“ als Lebensmotto
Phytoparasitische Kleinpilze gehören nicht gerade zu den auffälligen Pilzen, selbst Personen mit sonst guten Artenkenntnissen nehmen normalerweise kaum Notiz von ihnen. Eine gut kenntliche, wenn auch wegen ihrer beschränkten Verbreitung seltene Art ist Gymnosporangium amelanchieris, ein Rostpilz, der in Deutschland nur im Allgäu und in Thüringen gefunden wurde und bis vor kurzem als „verschollen“ galt.
-

Eine heimlich lebende Sonnenanbeterin
Schlingnattern sind lebendgebärend und bilden damit eine Ausnahme unter den europäischen Nattern. Die harmlose Schlange gibt es fast nur dort, wo auch Eidechsen leben, denn sie ist auf den Fang dieser flinken Tiere spezialisiert. Außerdem benötigt sie strukturreiche Flächen mit ausreichenden Verstecken und Plätzen zum Sonnenbaden. Durch den Verlust geeigneter Lebensräume nehmen die Bestände der Art allerdings stetig ab – sie gilt in Deutschland deshalb als gefährdet.
-

Spuren im Sand: Ein Ökosystemingenieur am Werk
Wer schon einmal im Watt zu Fuß unterwegs war, kennt die weiten Rippelfelder des Sandwatts, übersät mit unzähligen kleinen Hügeln aus Sandschnüren und trichterförmigen Löchern. Hier lebt und gräbt der Pierwurm, auch Köderwurm genannt. Sein Name ist Programm: Der Wurm wird gerne zum Angeln verwendet. Zusammen mit der Gemeinen Wattschnecke, der Herzmuschel, der Gemeinen Strandkrabbe und der Nordseegarnele gehört der Pierwurm zu den „Small five“, den fünf wichtigsten kleinen wirbellosen Arten des Wattenmeeres.
-

Torfmoose sind Baumeister der Moore
Das Rötliche Torfmoos ist nicht nur ein Bewohner der europäischen Hochmoore, es ist auch maßgeblich an deren Entstehung beteiligt: Aus abgestorbenen Teilen der Pflanze entsteht unter moortypischen Bedingungen Torf. Dieser wurde früher in großem Stil als Brennmaterial abgebaut und wird heute noch für Gartenbau-Substrate verwendet. 95 % der deutschen Moore gelten als geschädigt und das Rötliche Torfmoos wird in der Roten Liste der Moose als „gefährdet“ aufgeführt.
-

Rebhuhn und Feldhase – ein Traumpaar?
Das wäre doch ein märchenhafter Deal: Die Rebhenne legt fleißig Eier, und der Hase versteckt sie pünktlich zum Osterfest für die Menschenkinder. Tatsächlich legen weibliche Rebhühner im Frühjahr regelmäßig 10 bis 20 Eier. Die Sache hat aber doch einen Haken: Nicht nur Feldhasen sind gefährdet, auch Rebhühner werden immer seltener. Noch vor 40 Jahren war ihr schnarrendes, zweisilbiges „Kirrreck“ im Frühjahr ein vertrautes Geräusch in der Feldflur. Heute sind sie bei uns die Vogelart mit den größten Bestandsverlusten. Seit 1980 ist die Zahl der Brutpaare in Deutschland auf etwa 5 % der damaligen Zahl zurückgegangen.
-

Einzelzimmer mit Seide
Anders als die Honigbiene baut die Frühlings-Seidenbiene ihre Nester nicht mit Wachs, sondern kleidet die Kinderstube mit einer durchsichtigen „Seidentapete“ aus. Die Frühlings-Seidenbiene wurde kürzlich von einem Kuratorium zur Wildbiene des Jahres 2023 gewählt.
-

Sumpf-Haubenpilz: Der erste Eindruck täuscht
In englischsprachigen Ländern wird der Sumpf-Haubenpilz wegen seines Aussehens „Bog Beacon“ benannt, also Sumpf-Leuchtfeuer. Darin steckt ein Hinweis auf den Standort und die Ähnlichkeit mit einer winzigen Wachskerze. Wegen seiner Kleinheit, seiner wenig einladenden Wuchsorte und da er nicht als Speisepilz taugt, führt er aber eher ein Schattendasein. In der Roten Liste der Pilze Deutschlands gehört er zu den Arten der „Vorwarnliste“. Mit seiner Wahl zum Pilz des Jahres 2023 macht die Deutsche Gesellschaft für Mykologie auf die Gefährdung von Lebensräumen spezialisierter Arten aufmerksam.
-

Der Kleine Wasserfrosch ist Lurch des Jahres 2023
Er ist selten und wenig erforscht: Der Kleine Wasserfrosch. Um auf die gefährdete Art und die Forschungsdefizite aufmerksam zu machen, hat die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT e. V.) ihn zum Lurch des Jahres 2023 gewählt. Die Rote Liste verzeichnet für den Kleinen Wasserfrosch eine „Gefährdung unbekannten Ausmaßes“.
-

Ohne Blinddarm ist das Leben länger
Wenn die kleine Schlafmaus mit der auffälligen schwarzen Kopfmaske erst im späten Frühjahr wieder erwacht, hat das etwas mit ihrem Speiseplan zu tun – und dass ihr ein Stück Darm fehlt. Er wurde von der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres 2023 gewählt.
-

Ein schwindendes Juwel unserer Flüsse?
Die Äsche ist sicherlich einer der auffälligeren Fische unserer heimischen Wasserwelt. Man erkennt sie an der mit zunehmendem Alter immer größer werdenden, bunten Rückenflosse. Nicht ohne Grund wird diese oft auch als „Fahne“ bezeichnet. Die Rote Liste der Süßwasserfische führt die Äsche als „Stark gefährdet“ auf.
