Tagfalter (Lepidoptera: Papilionoidea & Hesperioidea), Widderchen (Zygaenidae)

Die Gesamtartenliste der Tagfalter und Widderchen Deutschlands umfasst 207 etablierte einheimische Arten und Unterarten. Wegen ihrer ähnlichen Ökologie werden beide Gruppen in einer gemeinsamen Roten Liste behandelt.

Vom Ambossfleck-Würfel-Dickkopffalter bis zum Zahnflügel-Bläuling

So vielfältig und fantasievoll die Namen einiger Tagfalter, wie beispielsweise Ambossfleck-Würfel-Dickkopffalter oder Zahnflügel-Bläuling, klingen, so bunt und auffällig sind auch ihre beschuppten Flügel. Diese dienen neben dem Fliegen oft weiteren wichtigen Funktionen: Bei einigen Tagfalterarten mit auffälligen „Augenflecken“ schrecken diese die potenziellen Fressfeinde ab. Andere Muster lassen ruhig sitzende Schmetterlinge mit ihrer Umwelt verschmelzen und tragen somit zur Tarnung bei. Besonders auffällige Farben dienen oft als Signale an Artgenossen während der Fortpflanzungszeit. 

Auffällig sind die Farben auch bei den Widderchen, bei denen es sich um tagaktive Nachtfalter handelt, die nicht näher mit den Tagfaltern verwandt sind, aber oft gemeinsam mit Tagfaltern erfasst werden.

Sensible Spezialisten

Viele Tagfalter- und Widderchenarten sind hoch spezialisiert und von klar definierten Lebensraumstrukturen abhängig. Gehen wichtige Requisiten wie artspezifische Raupen-Futterpflanzen verloren, so verschwindet auch die Tagfalter- oder Widderchenart. Entfernt man beispielsweise Brennnesseln aus dem Garten, nimmt man Tagpfauenauge, Admiral und Kleinem Fuchs die Fortpflanzungsgrundlage, da die Raupen dieser Falterarten maßgeblich auf Brennnesseln als Futterpflanze angewiesen sind.

Wie geht es den Tagfaltern und Widderchen?

In der aktuellen Roten Liste wird die Gefährdung der 207 in Deutschland etablierten Taxa (Arten und Unterarten) aus den Gruppen der Tagfalter und Widderchen bewertet. Neben 10 ausgestorbenen Arten gelten insgesamt 93 von ihnen als bestandsgefährdet (Taxa in den Rote-Liste-Kategorien 1, 2, 3, G). Darunter befinden sich 13 Taxa, die unmittelbar vom Aussterben bedroht sind, 51 gelten als stark gefährdet und 27 als gefährdet. Für 2 Taxa konnte die Gefährdungslage nicht eindeutig ermittelt werden. Lediglich 71 Taxa, also rund ein Drittel, gelten derzeit als ungefährdet.

Der Verlust und die Veränderung von Lebensräumen wie Feuchtwiesen, Mager- und Trockenrasen oder reich strukturierten Gebüsch- und Waldrändern zählen zu den Hauptgefährdungsursachen. Besonders in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft ist die frühere Vielfalt von Schmetterlingen erschreckend verarmt. Tagfalter profitieren im Garten von einem vielfältigen Angebot an nektarreichen Blütenpflanzen, darunter möglichst auch einheimische Wildpflanzen.


Aktuelle Rote Liste

(Stand November 2024)

Musche, M.; Albrecht, M.; Becker, J.; Bittermann, J.; Blanckenhagen, B. von; Böck, O.; Caspari, A.; Caspari, S.; Dolek, M.; Harpke, A.; Hermann, G.; Joger, H.G.; Kolligs, D.; Lange, A.; Müller, D.; Nunner, A.; Pollrich, S.; Reinelt, T.; Rennwald, E.; Schmitz, O.; Schönborn, C.; Schulze, W.; Schurian, K.; Strätling, R.; Wachlin, V. & Wiemers, M. (2025): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter und Widderchen (Lepidoptera: Papilionoidea et Zygaenidae) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (11): 94 S.

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar.

Artenportraits
Themenspecials