Wissenswertes zu Tieren, Pflanzen und Pilzen entdecken
Von den etwa 72.000 in Deutschland einheimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind in den Roten Listen rund 37.000 auf ihre Gefährdung hin untersucht. Ergänzend zu diesen wissenschaftlichen Fachgutachten geben die Artenportraits des Rote-Liste-Zentrums einen Einblick in die Lebensweise von Tieren und Pflanzen. Themenspecials mit Berichten und Interviews zeigen darüber hinaus, wie Rote-Liste-Arbeit in der Praxis aussieht und stellen Expertinnen und Experten vor. Eigene Themenwelt-Seiten informieren über gesetzliche Schutzmaßnahmen.
-

Das Kiebitzei aus dem Pflanzenreich
Wenn Ostern so früh im Kalender liegt wie in diesem Jahr, wird man an den Feiertagen noch keine blühenden Schachblumen finden. Die erscheinen normalerweise erst im April. Trotzdem wollen wir schon jetzt die Aufmerksamkeit für das attraktive Liliengewächs schärfen und erzählen, was die Art mit Brettspielen, dem Kiebitz und dem Perlhuhn zu tun hat. Dass sie in Deutschland „besonders geschützt“ ist, hat nicht nur wissenschaftliche, sondern auch ästhetische Gründe.
-

Löwen, die in Baumhöhlen lauern
Die Panther-Ameisenjungfer ist die seltenste unter den heimischen Ameisenjungfern. Nur alle paar Jahrzehnte wurde sie bisher gesichtet. Vor Kurzem gelangen jedoch innerhalb eines Jahres gleich zwei Funde. Mit ihren fast transparenten, gefleckten Flügeln ist sie im Wald, zum Beispiel auf Baumrinde oder trockenem Laub, gut getarnt. Ihre Larven, die so genannten „Ameisenlöwen“, leben ohnehin völlig verborgen. Nur Fachleute, die genau wissen, wo man sie suchen muss, sind in der Lage, die Tiere aufzuspüren. Die nachtaktive Art gehört zu den Netzflüglern.
-

Warum der beliebte Speisefisch nicht überall gerne gesehen ist
Schon im Mittelalter war er ein begehrter Speisefisch, vor allem bei Nonnen und Mönchen. Heute ist der Karpfen aus unserer Unterwasserwelt nicht mehr wegzudenken, auch wenn die Zuchtform den Ur-Karpfen fast verdrängt hat. Für die Fischerei immer noch einer der wesentlichen „Brotfische“ und für viele Menschen Kulturgut, stehen einige dem Karpfen kritisch gegenüber.
-

Stumm wie ein Fisch? Nicht ganz…
Mit seinen Bartfäden sieht er zwar aus, als hätte er sich den Mund fusselig geredet, doch der Schlammpeitzger ist vorne stumm wie andere Fische auch. Geräuschvoll geht es nur zu, wenn die aalartig wirkenden Tiere Luft aus dem Enddarm pressen – nicht ohne Grund wurden sie im Norden „Piepaal“ und im Süden „Furzgrundel“ genannt. Schon im Jahr 1549 schrieb Georg Agricola „Sie geben einen durchdringenden Ton von sich“.
-

Puzzle am Tegeler See – eine neu entdeckte Kieselalge im Blick der Biodiversitätsforschung
Kieselalgen oder Diatomeen sind nur mikroskopisch sichtbar, meist kleiner als 0,2 mm, betreiben Photosynthese wie Pflanzen und leben innerhalb gläserner, schachtelförmiger Zellwände (Kieselschalen aus Siliziumdioxid), die Jahrtausende in Ablagerungen überdauern können. Diese „Schachtellinge“, wie sie im 19. Jahrhundert auch bezeichnet wurden, sind oft ausgesprochen schön anzusehen, weshalb Kieselalgen auch bevorzugte Objekte von Mikroskopikern wurden. Diatomeen sind darüber hinaus wichtige Bioindikatoren im Gewässermonitoring. Die Kieselalge Gomphonella tegelensis wurde erst vor wenigen Jahren wissenschaftlich beschrieben.
-

„Uuuh, sind die sauer!“
Sanddornfrüchte gelten zwar als Vitamin-C-Bomben, aber zum Naschen taugen sie nicht. Oft zerdrückt man sie schon beim Pflücken zu Brei und dann schmecken sie so sauer, dass man sie doch lieber den Vögeln überlässt. Im Landschaftsbau schätzt man aber eine andere Fähigkeit: Mit seinen tief reichenden und weit verzweigten Wurzeln kann der Sanddorn Rohböden gegen Erosion schützen. Die Konkurrenzkraft selbst auf sterilen Böden hängt damit zusammen, dass seine unterirdischen Organe eine Symbiose mit Luftstickstoff bindenden Bakterien eingehen, die den Standort auf natürliche Art und Weise düngen.
-

„Bäumchen wechsel dich“ als Lebensmotto
Phytoparasitische Kleinpilze gehören nicht gerade zu den auffälligen Pilzen, selbst Personen mit sonst guten Artenkenntnissen nehmen normalerweise kaum Notiz von ihnen. Eine gut kenntliche, wenn auch wegen ihrer beschränkten Verbreitung seltene Art ist Gymnosporangium amelanchieris, ein Rostpilz, der in Deutschland nur im Allgäu und in Thüringen gefunden wurde und bis vor kurzem als „verschollen“ galt.
-

Eine heimlich lebende Sonnenanbeterin
Schlingnattern sind lebendgebärend und bilden damit eine Ausnahme unter den europäischen Nattern. Die harmlose Schlange gibt es fast nur dort, wo auch Eidechsen leben, denn sie ist auf den Fang dieser flinken Tiere spezialisiert. Außerdem benötigt sie strukturreiche Flächen mit ausreichenden Verstecken und Plätzen zum Sonnenbaden. Durch den Verlust geeigneter Lebensräume nehmen die Bestände der Art allerdings stetig ab – sie gilt in Deutschland deshalb als gefährdet.
-

Spuren im Sand: Ein Ökosystemingenieur am Werk
Wer schon einmal im Watt zu Fuß unterwegs war, kennt die weiten Rippelfelder des Sandwatts, übersät mit unzähligen kleinen Hügeln aus Sandschnüren und trichterförmigen Löchern. Hier lebt und gräbt der Pierwurm, auch Köderwurm genannt. Sein Name ist Programm: Der Wurm wird gerne zum Angeln verwendet. Zusammen mit der Gemeinen Wattschnecke, der Herzmuschel, der Gemeinen Strandkrabbe und der Nordseegarnele gehört der Pierwurm zu den „Small five“, den fünf wichtigsten kleinen wirbellosen Arten des Wattenmeeres.
-

Torfmoose sind Baumeister der Moore
Das Rötliche Torfmoos ist nicht nur ein Bewohner der europäischen Hochmoore, es ist auch maßgeblich an deren Entstehung beteiligt: Aus abgestorbenen Teilen der Pflanze entsteht unter moortypischen Bedingungen Torf. Dieser wurde früher in großem Stil als Brennmaterial abgebaut und wird heute noch für Gartenbau-Substrate verwendet. 95 % der deutschen Moore gelten als geschädigt und das Rötliche Torfmoos wird in der Roten Liste der Moose als „gefährdet“ aufgeführt.
