Oh Schreck!
Einen Schrecken kann man sich zwar in düsteren Oktobernächten vor Halloween einfangen, aber Schrecken, wie die heimischen Heuschrecken, fängt man im späten Herbst eher selten. Die meisten schreckhaften Hüpfer – denn daher kommt das Wort „Schrecken“, von „aufschrecken“ oder „springen“ – findet man von April bis Oktober. Außer bei wenigen Arten überwintern nur die Eier dieser Insekten. Die Ordnung der Heuschrecken ist in Deutschland mit 82 einheimischen Arten vertreten und davon sind 26 bestandsgefährdet: Das ist sehr wohl erschreckend. Besonders häufig ist dieses Jahr die einzige Fangschreckenart Deutschlands gesichtet worden: Die Gottesanbeterin.


Die Totentrompete
Die Totentrompete ist nicht etwa ein Blasinstrument des Sensenmanns, sondern ein beliebter Speisepilz. Craterellus cornucopioides, auch Herbsttrompete genannt, ähnelt einem schwarzen Pfifferling und kommt im Spätherbst in großen Ansammlungen unter Buchen und Eichen vor. Sie ist ungefährdet und kaum zu verwechseln. Ihren Namen trägt sie wegen ihres dunklen Aussehens – als wäre sie kurz vor der Verwesung.
Der Hängende Mensch
Sie wird auch Puppenorchis genannt. Die Blüte der Orchideenart Ohnhorn-Knabenkraut Orchis anthropophora sieht aus wie Halloweenschmuck par excellence: Die Lippe der Blüte ist blassgrün und hat einen rötlichen Rand. Mit zwei länglichen Seitenlappen und einem geteilten Mittellappen erinnern die Blüten an Arme und Beine eines aufgehängten Menschen. Die Art wird von Käfern bestäubt und ist in Deutschland gefährdet. Im Herbst ist von ihr nur eine grüne Blattrosette zu entdecken. Sie blüht von Mai bis Juni auf sonnigen Hügeln mit lückigen Magerrasen. Zu finden ist sie besonders im Südwesten Deutschlands.

Die Tote Mannshand
Eine düstere, aber leider auch gefährdete und sehr seltene Korallenart aus der Nordsee ist die Tote Mannshand, Alcyonium digitatum. Wie bleiche Finger ragen die Kolonien von Polypen in fleischfarbenen bis weißen Loben aus dem steinigen Untergrund hervor. Weil ihr Anblick an die Hand einer Wasserleiche erinnert, bekamen diese Meeresbewohner in vielen Sprachen ihren Namen. Sie ernähren sich von Plankton, das die kleinen Polypen der Kolonie mit Tentakeln einfangen. Sie kommen in Tiefen von 10 bis zu 50 Metern auf felsigem Untergrund oder Muschelbänken vor.


Die Totenuhr
Die Totenuhr tickt. Besonders in der Paarungszeit. Dann schlagen die Käfermännchen wie ein Omen aus der Unterwelt ihre Köpfe auf Holz, um Weibchen anzulocken. Besonders wohl fühlen sie sich bei altem Eichenholz, wie es in Fachwerk verbaut ist. Der Name stammt vielleicht von Totenwachen, bei denen die Familienangehörigen der Verstorbenen das leise Klopfen der Käfer vernehmen konnten. Xestobium rufovillosum wird auch etwas harmloser „Gescheckter Nagekäfer“ genannt. Die Larven können im Holz kleine Löcher hinterlassen. Die früher sehr häufige Käferart aus der Familie der Ptinidae steht auf der Vorwarnliste.
(Artikel veröffentlich am 28.10.2026)