Klein, aber oho: Die Zwergmaus

Sie trägt ihre Größe gleich zweimal im Namen: in der Fachsprache heißt die Eurasische Zwergmaus Micromys minutus (griechisch: μικρό (mikro) = klein , lateinisch: minutus = winzig). Mit nur fünf bis sieben Zentimetern Kopf-Rumpf-Länge, einem etwa genauso langen Schwanz und bis zu elf Gramm Körpergewicht ist die Zwergmaus eines der kleinsten heimischen Säugetiere. Ihr Verbreitungsgebiet ist im Gegensatz dazu riesig: Sie kommt in großen Teilen Europas und Asiens vor. Die Zwergmaus ist unsere Art des Monats November.

Baukünstlerin mit Sinn für Höhen

Wollte man den Lebensstil der Zwergmaus mit einem bekannten Kinderspiel vergleichen, dann wäre es wohl „Der Boden ist Lava“: Sie verbringt nur wenig Zeit auf dem Boden und klettert die meiste Zeit in bis zu zwei Metern Höhe zwischen Halmen und Ästen umher. Was für uns Menschen wenig dramatisch klingt, ist für ein so kleines Tier doch eine beeindruckende Höhe, entspricht es auf unsere Köpergröße umgerechnet doch etwa dem freien Klettern an einem 20-stöckigen Hochhaus. Ihr Schwanz dient dabei als Absturzsicherung, denn er kann vor allem beim Abwärtsklettern um einen Halm oder Stängel geschlungen werden.

Die Zwergmaus ist eines der kleinsten heimischen Säugetiere und lebt nach dem Prinzip „der Boden ist Lava“. ©Carol/Adobe Stock

Auch seine Nester baut der kleine Nager in vergleichsweise luftiger Höhe zwischen 50 Zentimetern und einem Meter. Sie sind kaum größer als ein Tennisball, bestehen aus verflochtenen Grashalmen und -blättern und werden innen weich gepolstert. Wie andere Mäuse auch sind Zwergmäuse in ihrer Fortpflanzung sogenannte R-Strategen: Sie zeugen viele Nachkommen, von denen jedoch nur wenige überleben. So kann ein Zwergmausweibchen pro Saison (Mai bis Oktober) bis zu fünf äugWürfe mit je vier bis acht Jungtieren zur Welt bringen. Da diese schon nach sechs Wochen geschlechtsreif werden, können pro Jahr mehrere Generationen auftreten. In ihrer Ernährung sind Zwergmäuse sehr flexibel: Neben Grassamen unterschiedlicher Reife fressen sie auch kleine Insekten und deren Larven. Vorräte für die kalte Jahreszeit legen sie jedoch nicht an und auch Winterschlaf steht bei der Zwergmaus nicht auf dem Programm.

In hochgewachsenen Wiesen und Hecken zu Hause

Nest einer Zwergmaus.
Zwergmäuse bilden tennisballgroße Nester aus Grashalmen in vergleichsweise luftiger Höhe zwischen 50 Zentimetern und einem Meter. ©matuty/Adobe Stock

Zwergmäuse sind normalerweise Einzelgänger und streifen in Revieren von etwa 600 Quadratmetern umher. Außerhalb der Paarungszeit können sich mehrere Tiere ein Revier teilen. Sie bewohnen vornehmlich Röhrichte, Hochgras- und Hochstaudenfluren, weichen aber auch auf gewässernahe Getreidefelder, in Ackerbrachen und Feldhecken aus. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft haben diese Lebensräume flächenmäßig abgenommen und die Lebensbedingungen für die Art verschlechtern sich. Die Zwergmaus kommt in Asien und Europa vor und ist dort weit verbreitet, ist jedoch nicht flächendeckend vertreten. Sie ist in der aktuellen Roten Liste Deutschlands der Säugetiere (2020) als mäßig häufig eingestuft und steht auf der Vorwarnliste.

(Artikel veröffentlicht am 6.11.2026 )

Die kleinen Nager bewohnen vornehmlich Röhrichte, Hochgras- und Hochstaudenfluren. ©Morris/Adobe Stock

Rote Liste und Weitere Informationen

Rote Liste der Säugetiere

Meinig, H.; Boye, P.; Dähne, M.; Hutterer, R. & Lang, J. (2020): Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere (Mammalia) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (2): 73 S.

Rote-Liste-Daten zum Download https://www.rote-liste-zentrum.de/die-roten-listen/download-wirbeltiere/

Weitere Informationen:

Die Zwergmaus (Micromys minutus): https://kleinsaeuger.at/micromys-minutus/

Micromys minutus (Eurasian Harvest Mouse) IUCN Red List: www.iucnredlist.org/species/13373/119151882

LfU Bayern -Zwergmaus (Micromys minutus):
www.lfu.bayern.de/natur/kleinsaeuger/untersuchungen/zwergmaus/index.htm

Zwergmaus (Micromys minutus)

Rote-Liste-Kategorie: Vorwarnliste