Am Würfelmuster zu erkennen
Die Färbung erwachsener Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) reicht von einem lebhaften Grün über Kombinationen von Olivgrün, Rotviolett und Ocker bis zu Tieren mit komplett graubrauner Grundfarbe. Die Art lässt sich aber stets anhand der schwarzen quadratischen Flecken bestimmen, die in Reihen auf der Oberseite der Vorderflügel angeordnet sind. Dieses Würfelmuster ist auch bei ruhenden Exemplaren gut zu erkennen.
Ernährungstyp: Flexitarier

In seiner wissenschaftlichen Erstbeschreibung erklärte der schwedische Naturforscher Carl von Linné den ungewöhnlichen Artnamen verrucivorus – wörtlich übersetzt „Warzenfresser“ – nicht. Er gab dort aber einen Hinweis auf einen eigenen früheren Bericht, den er während der Bereisung der Insel Gotland verfasst hatte. Dort lautet ein Tagebucheintrag vom 8. Juli 1741 (aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzt): „Wenn Bauern Warzen an den Händen haben, nehmen sie oft eine solche Heuschrecke und halten die Warze an deren Mund; die Heuschrecke beißt dann in die Warze und würgt eine schwarze, ätzende Flüssigkeit hervor, die die Warze zum Verschwinden bringt.“
Dies scheint der erste überlieferte Beleg für die Behandlung von Warzen mit Hilfe von Heuschrecken zu sein. Weitere Hinweise auf die heute unübliche Praxis gab es in den folgenden Jahrzehnten auch aus anderen Ländern Mitteleuropas. In Schweden selbst ging der Name der Art sogar auf die gesamte Verwandtschaft über: Die Familie der Laubheuschrecken (Tettigoniidae) heißt dort „Vårtbitare“, was nichts anderes bedeutet als Warzenbeißer.
Wer das Tier mit der Hand fängt, sollte wissen, dass es zubeißen kann, wenn es sich bedrängt fühlt. Seine scharfkantigen Kiefer können die menschliche Haut mühelos durchdringen. Kein Wunder: Etwa zwei Drittel der Nahrung des Warzenbeißers bestehen aus tierischer Kost – seien es Larven oder erwachsene Exemplare von diversen Insekten, einschließlich anderer Heuschrecken oder Käfer ihrer eigenen Körpergröße. Zarte Blätter und Blüten bilden mit etwa einem Drittel eher die Beilage.
Gesungen wird nur bei sonnigem Wetter

Hauptlebensraum des Warzenbeißers sind nicht oder wenig gedüngte Wiesen und Magerrasen. Aus solchen Biotopen erklingen bei Sonnenschein von Ende Mai bis zum Frühherbst die eintönigen „zick…zick…zick…“-Rufreihen der Männchen, meist vorgetragen von einer Warte auf kniehohen Pflanzenstängeln. Nach der Partnerfindung und Paarung legen die Weibchen – sie sind am aufwärtsgekrümmten Legebohrer zu erkennen – ihre Eier in die obere Bodenschicht. Im folgenden oder im übernächsten Frühjahr schlüpfen daraus Larven. Sie wachsen eher in den bodennahen Vegetationsschichten heran und entwickeln sich über sieben Häutungen zu geschlechtsreifen Heuschrecken.
Die Fläche der bevorzugten Lebensräume in Deutschland hat seit der Mitte des 20. Jahrhunderts stark abgenommen – und mit ihnen die Populationen des Warzenbeißers. Düngung, Aufforstung oder Umbruch des Bodens bedrohen diese Habitate. In der aktuellen Roten Liste Deutschlands wie auch in fast allen Roten Listen der Länder gilt die Art deshalb als gefährdet. Ihre Vorkommen lassen sich am besten erhalten, wenn man mageres Grünland weiterhin ohne Düngung bewirtschaftet. Stärkerer Gehölzbewuchs sollte von Zeit zu Zeit entfernt werden. Da geeignete Lebensräume selten großräumig vorhanden sind, braucht es in Gebieten mit teilweise isolierten Einzelflächen ein ausreichendes Angebot an Rainen und Trittsteinbiotopen. Der genetische Austausch zwischen räumlich getrennten Populationen wird hierdurch erleichtert.
Insekt des Jahres
Das Insekt des Jahres wird seit 1999 von einem unabhängigen internationalen Kuratorium gewählt. Dem Expertengremium gehören namhafte Insektenkundler und Vertreter wissenschaftlicher Gesellschaften und Einrichtungen an. Mit der Wahl wollen sie auf eine ökologisch bedeutungsvolle, aber oft unterschätzte Tiergruppe aufmerksam machen. Für das Jahr 2026 fiel die Wahl auf den Warzenbeißer als Vertreter zahlreicher Insektenarten, die auf Magerrasen angewiesen sind: Pressemitteilung der Senckenberg Gesellschaft.
(Artikel veröffentlicht am 11.8.2026)

Aktuelle Rote Liste
Rote Liste der Heuschrecken und Fangschrecken Deutschlands
Poniatowski, D.; Detzel, P.; Drews, A.; Hochkirch, A.; Hundertmark, I.; Husemann, M.; Klatt, R.; Klugkist, H.; Köhler, G.; Kronshage, A.; Maas, S.; Moritz, R.; Pfeifer, M.A.; Stübing, S.; Voith, J.; Winkler, C.; Wranik, W.; Helbing, F. & Fartmann, T. (2024): Rote Liste und Gesamtartenliste der Heuschrecken und Fangschrecken (Orthoptera et Mantodea) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (7): 88 S.
Die Rote-Liste-Daten sowie die elektronische Publikation sind auch als kostenfreier Download verfügbar.
Wie geht es den Heuschrecken Deutschlands? Gefährdungssituation und Gesamtartenliste
Rote-Liste-Daten Warzenbeißer Steckbrief