Eine scheue Fliegenfängerin

© Foto: Dr. Günter Matzke-Hajek
Mit ihren 12-18 mm Körperlänge gehört die Fransen-Mordfliege (Choerades fimbriata) zu den mittelgroßen Raubfliegenarten – sie ist damit allerdings gut doppelt so groß wie eine Gewöhnliche Stubenfliege. Fast alle Raubfliegen sind schlanke, aber kräftig gebaute Zweiflügler mit großen Komplexaugen, einem „bärtigen“ Gesicht und langen, bedornten Beinen. Der Körperbau mancher Arten erinnert an den von Libellen. Wie diese jagen Raubfliegen nämlich fast nur Fluginsekten. Dafür setzen sie sich – oft mit dem Kopf nach unten – an Totholz oder auf Blätter und beobachten aufmerksam ihre Umgebung. Erspähen sie ein kleineres Insekt, starten sie zu einem kurzen Verfolgungsflug und packen die Beute mit ihren borstigen Beinen. Die Fransen-Mordfliege piekst übrigens keinen Menschen. Vor hektischen Bewegungen flüchtet sie sofort. Wer sie beobachten oder fotografieren will, sollte sich deshalb sehr langsam bewegen.
Der Stechrüssel – Giftspritze und Trinkhalm in einem
Anders als Libellen, die ihre Opfer mit den Mundwerkzeugen regelrecht filetieren und zerkauen, ernähren sich Raubfliegen eher nach Spinnenmanier: Sofort nach dem Zugriff bohren sie ihren starren, stilettartigen Stechrüssel in die Beute und injizieren ihren toxischen Speichel. Anschließend landen sie und saugen die Körperflüssigkeit ihres Opfers ein.
Typischerweise findet man die eindrucksvollen Fliegen an besonnten, wärmebegünstigten Rändern von Laubwäldern. Während sie morgens und vormittags meist jagen, findet die Paarung eher in den Nachmittagsstunden statt. Die Eier werden an Totholz abgelegt, beispielsweise in Rindenspalten, Rissen oder an Käferbohrlöchern. Die blassen Larven ernähren sich dann in den vorhandenen Fraßgängen überwiegend von anderen Insektenlarven, z. B. solchen von Borkenkäfern. Erst im späten Frühjahr des folgenden Jahres verlassen sie als fertig entwickelte Fliegen die hölzerne Kinderstube. Bei uns in Deutschland sind sie von Juni bis Anfang Oktober zu beobachten.
Weiter verbreitet als früher angenommen
Früher galt die Fransen-Mordfliege eher als seltene Art der kollinen und submontanen Höhenstufen. Die meisten Nachweise stammten aus der Oberrheinebene und ihren Randlagen sowie aus den kontinental getönten Regionen zwischen Nordhessen und Sachsen. Dann wurde deutlich, dass die Art oft nicht von der ähnlichen Gemeinen Mordfliege (Choerades marginata) unterschieden worden war. Die Verbreitung der Fransen-Mordfliege in Deutschland hat sich daher erst in den letzten Jahren genauer darstellen lassen. Sie scheint sich aber nach Norden auszubreiten. Möglicherweise ist dieser Arealzuwachs eine Folge des Klimawandels.
Rote-Liste-Bewertung
In der aktuellen Roten Liste der Raubfliegen Deutschlands (Wolff 2025) wurde die Fransen-Mordfliege als mäßig häufig und mit zunehmenden Beständen eingeschätzt. Damit gehört sie in die Kategorie „Ungefährdet“. Der Steckbrief unserer Artensuchmaschine zeigt weitere Informationen zur Rote-Liste-Bewertung der Fransen-Mordfliege (Choerades fimbriata) – inklusive Bestandssituation, kurz- und langfristigem Bestandstrend.
Die bundesweiten Roten Listen dokumentieren auf wissenschaftlicher Grundlage und in verdichteter Form die Gefährdung der einheimischen Arten. Damit sind sie ein stets verfügbares Fachgutachten, ein Frühwarnsystem für die Entwicklung der biologischen Vielfalt und eine Argumentationshilfe für umweltrelevante Planungen. Rote Listen zeigen den vordringlichen Handlungsbedarf im Artenschutz auf.
(Artikel aktualisiert am 3.11.2025)

LITERATUR UND ROTE LISTE ZUM ARTIKEL
Literatur
Atlas der Raubfliegen Deutschlands: Nachweiskarten, Lebensräume, Trivialnamen
Rote Liste der Raubfliegen Deutschlands
Wolff, D. & Kästner, T. (2025): Rote Liste und Gesamtartenliste der Raubfliegen (Diptera: Asilidae) Deutsch-
lands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (10): 82 S.
Rote-Liste-Daten zum Download sowie Rote Liste als elektronische Publikation
Gesamtartenliste der Raubfliegen, mit Rote-Liste-Kategorien