Teredilia und Heteromera (Coleoptera: Bostrichoidea: Lyctidae, Bostrichidae, Anobiidae, Ptinidae; Tenebrionidea)

In Deutschland sind insgesamt 432 Arten dieser Käfergruppe etabliert, davon wurden vier Arten durch den Menschen nach Deutschland eingeschleppt (Neozoen). Viele Arten der „Teredilia“ und Heteromera sind an Totholz und ursprüngliche, strukturreiche Wälder gebunden, da sie sich hauptsächlich von trockenen organischen Substanzen wie Holzmulm, Rinde, Falllaub und Baumpilzen ernähren. Einige Arten leben als Larven allerdings auch parasitisch, z. B. in den Nestern solitärer Wildbienen oder an den Gelegen von Heuschreckenarten.

Wer „Teredilia“ sagt, muss auch Heteromera sagen

So zumindest scheint es, wenn man der traditionellen Käferliteratur folgt, nach der eine Vielzahl vermuteter Verwandtschaftsgruppen in so genannten Familienreihen zusammengefasst wird. Hinter der Bezeichnung „Teredilia“ verbergen sich die Vertreter von vier Käferfamilien: die Splintholzkäfer, die Bohrkäfer, die Nage- oder Pochkäfer und die Diebskäfer. Die Bezeichnung Heteromera wird für insgesamt 17 Familien aus der Verwandtschaft der Schwarzkäfer verwendet.

Beide Gruppennamen sind traditionelle Hilfskonstrukte, aber keine eindeutigen Abstammungsgemeinschaften. Da die Verwandtschaftsverhältnisse bei den Käfern teilweise erst jetzt geklärt werden, kommt es immer wieder zu Änderungen in der Systematik. Die Beibehaltung der Familienreihen im Titel der Roten Liste dient also vor allem dem leichteren Vergleich mit früheren Fassungen.

Wie geht es den „Teredilia“ und Heteromera?

Von den 428 in der Roten Liste bewerteten Arten sind derzeit 152 ungefährdet (36%). Dem gegenüber stehen 130 bestandsgefährdete Arten (30%), von denen 25 als vom Aussterben bedroht (6%) und weitere 26 als stark gefährdet (6%) bezeichnet werden müssen. Ausgestorben oder verschollen sind 20 Arten (5%), 32 (8%) gelten in Deutschland als extrem selten und bei weiteren 25 (6%) sind mindestens Abnahmen zu erkennen, sodass sie auf der Vorwarnliste geführt werden. Für 69 Arten (16%) lässt sich aufgrund einer unzureichenden Datenlage derzeit keine Einstufung vornehmen.

Die Käfergruppe profitiert vor allem von der Erhaltung naturnaher Wälder mit hohem Totholzanteil. Dort, wo Wälder intensiv wirtschaftlich genutzt werden, weist der Bestandstrend vieler Arten eher abwärts. Die parasitisch lebenden Arten der Gruppe sind vor allem durch das Verschwinden extensiv genutzter Offenland-Lebensräume gefährdet, da ihre Wirtsarten oft eine enge Bindung an diese haben.

Aktuelle Rote Liste

(Stand September 2011)

Schmidl, J.; Bense, U.; Bussler, H.; Fuchs, H.; Lange, F. & Möller, G. (2021): Rote Liste und Gesamtartenliste der „Teredilia“ und Heteromera (Coleoptera: Bostrichoidea: Lyctidae, Bostrichidae, Anobiidae, Ptinidae; Tenebrionidea) Deutschlands. – In: Ries, M.; Balzer, S.; Gruttke, H.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G. & Matzke-Hajek , G. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 5: Wirbellose Tiere (Teil 3). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (5): 165-186

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar.