Gnitzen (Diptera: Ceratopogonidae)

Gnitzen sind kleine, meist unscheinbar gefärbte Mücken mit stark hoch gewölbtem Rücken. Innerhalb der Ordnung der Zweiflügler (Diptera) sind die Gnitzen bislang vergleichsweise wenig erforscht. Die aktuelle Gesamtartenliste Deutschlands umfasst 198 etablierte Arten. Vom Menschen eingeschleppte Gnitzen sind in Deutschlands derzeit nicht bekannt.

Reinigungskraft für Gewässer

Die Larven der Gnitzen besiedeln eine Vielzahl unterschiedlicher aquatischer und terrestrischer Lebensräume. Insbesondere naturnahe Feuchtbiotope wie Moore, Quellsümpfe, Flussauen, Bäche, Tümpel und Teiche werden in hoher Zahl besiedelt. Dort leisten die Gnitzen-Larven einen wichtigen Beitrag zur „Selbstreinigungskraft“ der Gewässer, indem sie organische Substanzen, wie totes Tier- und Pflanzenmaterial, fressen und somit abbauen.

Blutsaugende Weibchen

Während sich männliche Gnitzen überwiegend von Nektar und Pollen ernähren (so genannte Saftsauger), saugen die Weibchen häufig Körpersäfte anderer wirbelloser Tiere wie Schnaken, Zuckmücken, Schmetterlingen, Libellen, o.ä. Einige Arten saugen auch das Blut von Säugetieren und Vögeln, da sie diese energiereiche Nahrung zur Entwicklung ihrer Eier benötigen.

Wie geht es den Gnitzen?

Etwa 18 % der 190 bewerteten Gnitzenarten sind aktuell bestandsgefährdet oder gelten bereits als ausgestorben. Weitere 5 % stehen auf der Vorwarnliste. Die Mehrheit von 59 % ist in Deutschland derzeit noch als ungefährdet eingestuft. Den übrigen Arten (18 %) kann aufgrund ungenügender Datenlage keine Kategorie zugewiesen werden.

Da viele Gnitzenarten in oder an Gewässern leben, liegen die Hauptursachen der Gefährdung in der organischen Belastung sowie der menschlichen Nutzung der Oberflächengewässer, z.B. zur Trinkwassergewinnung.

Aktuelle Rote Liste

(Stand Juni 2012)

Havelka, P. (2016): Rote Liste und Gesamtartenliste der Gnitzen (Diptera: Ceratopogonidae) Deutschlands. – In: Gruttke, H.; Balzer, S.; Binot-Hafke, M.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G.; Matzke-Hajek, G. & Ries, M. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 4: Wirbellose Tiere (Teil 2). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (4): 33–66.

Alle Rote-Liste-Daten stehen zum Download zur Verfügung.