Zieralgen (Desmidiales)

Zieralgen sind einzellige Lebewesen, die näher mit den Blütenpflanzen verwandt sind als mit ihren Namensvettern, den Grünalgen. Sie kommen in vielen Gewässern vor, sind jedoch nicht bzw. kaum salztolerant – man findet sie daher nicht im Meer. Die menschlichen Einflüsse auf Binnengewässer und die Zerstörung vieler Moore in Deutschland haben dazu geführt, dass heute mehr als die Hälfte der für Deutschland nachgewiesenen Zieralgen-Taxa gefährdet sind.

Unsichtbare Schönheiten

Da Zieralgen Einzeller sind und weniger als 1 mm Durchmesser haben, sind sie mit bloßem Auge kaum zu sehen. Ihre Schönheit erschließt sich erst unter dem Mikroskop. Der deutsche Name dieser Algengruppe bezieht sich – im Gegensatz zu manchen als „Zierpflanzen“ bezeichneten Gefäßpflanzen – nicht auf den dekorativen Nutzwert für uns Menschen, sondern auf die ästhetische Schönheit und Symmetrie dieser einzelligen Organismen. Zieralgen können sich sowohl vegetativ durch Zellteilung als auch sexuell durch die Vereinigung (Konjugation) zweier Zellen fortpflanzen.

Die Zieralgen sind eine sehr artenreiche Organismengruppe. Weltweit wird ihre Zahl auf mindestens 2.500 Taxa geschätzt. In Deutschland sind 968 etablierte Arten, Unterarten, Varietäten und Formen, sprich Taxa, nachgewiesen.

Liebe zum Moor

Von wenigen Ausnahmen abgesehen (brackwassertolerante Arten) leben alle Zieralgen im Süßwasser. Sie besiedeln zumeist als Aufwuchs andere Wasserpflanzen, Moose und Steine unterhalb der Wasseroberfläche; einige wenige Arten gehören als freischwebende Algen zum Phytoplankton. Viele Arten bevorzugen Moore oder moorähnliche Gewässer, also Lebensräume mit deutlich saurem bis schwach alkalischem Wasser. Es gibt aber auch Arten, die an nassen Felsen oder auf feuchter Erde leben. In schnell fließendem Wasser hingegen können nur sehr wenige Zieralgen überleben.

Zieralgen als Bio-Indikatoren

Viele Zieralgen-Arten eignen sich sehr gut als sogenannte „Bio-Indikatoren“ (von indicare [lateinisch] = bekanntmachen). Darunter versteht man Arten, die auf Umwelteinflüsse schnell und vorhersehbar reagieren, sei es durch die Aufnahme und den Einbau von Stoffen in ihren Organismus, durch Veränderungen der Lebensfunktionen oder durch klar erkennbare Bestandsab- oder -zunahmen. Deswegen werden einige Zieralgen-Arten (z. B. Closterium moniliferum) auch als Indikatoren bei Gewässeruntersuchungen verwendet, die zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie von den Bundesländern regelmäßig durchgeführt werden.

Wie geht es den Zieralgen?

In der aktuell gültigen Roten Liste der Zieralgen sind 968 Taxa (aus 642 Arten) gelistet und bewertet. Davon sind mehr als die Hälfte (527 Taxa = 54 %) gefährdet oder extrem selten. Nur 84 Taxa (9 % der Gesamtzahl) gelten als ungefährdet. Allerdings ist die Zahl derjenigen Taxa recht hoch, bei denen aufgrund schlechter Datenlage keine Gefährdungseinschätzung möglich ist (351 Taxa = 36 % der Gesamtzahl).  

Im Vergleich zu anderen Organismengruppen ist ein Anteil von mehr als 50 % gefährdeter Taxa ein sehr hoher Wert. Die Ursachen hängen eng mit den Zerstörungen oder Beeinträchtigungen der Lebensräume zusammen. Dazu zählt, dass in den letzten 100 Jahren zahlreiche Gewässerhabitate verloren gegangen sind. Viele Tümpel wurden zugeschüttet und Moore wurden in Deutschland großflächig entwässert. Glücklicherweise hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden. Der kommerzielle Torfabbau ist heute auf wenige Regionen Norddeutschlands beschränkt und regenerationsfähige Moore werden wiedervernässt. Dies könnte dazu beitragen, dass sich die Zieralgen-Flora in Zukunft erholt oder zumindest stabilisiert, auch wenn es dazu bisher noch keine gesicherten Erkenntnisse gibt.

Aktuelle Rote Liste und Datenportal

(Stand März 2015)

Kusber, W.-H. & Gutowski, A. (2018): Rote Liste und Gesamtartenliste der Zieralgen (Desmidiales) Deutschlands. – In: Metzing, D.; Hofbauer, N.; Ludwig, G. & Matzke-Hajek, G. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 7: Pflanzen. – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (7): 711–778.

Die aktuellen Rote-Liste-Daten sind auch als Download verfügbar.

Im Datenportal „Algen Deutschlands“ stehen darüber hinaus Beobachtungsdaten, Kartier-/Artenlisten und Verbreitungskarten zur Verfügung.