- Wissenschaftlicher Name
- Strigamia maritima (Leach, 1817)
- Organismengruppe
- Hundertfüßer und Doppelfüßer
- Rote-Liste-Kategorie
- Vom Aussterben bedroht
- Verantwortlichkeit Deutschlands
- Allgemeine Verantwortlichkeit
- Aktuelle Bestandssituation
- extrem selten
- Langfristiger Bestandstrend
- starker Rückgang
- Kurzfristiger Bestandstrend
- mäßige Abnahme
- Vorherige Rote-Liste-Kategorie
- Kein Nachweis, nicht gelistet ohne es ausdrücklich auszuschließen oder kein etabliertes Vorkommen nachgewiesen (auch nicht unter einem anderen Namen).
- Kategorieänderung gegenüber der vorherigen Roten Liste
- Die Kategorieänderung ist nicht bewertbar, beispielsweise weil das Taxon in der alten Gesamtliste nicht enthalten oder nicht bewertet war (inkl. ⬧ → ⬧)
- Kommentar zur Verantwortlichkeit
- Die Art erreicht in Deutschland ihre südöstliche Arealgrenze. Der deutsche Anteil am Weltbestand ist sehr gering, so dass Deutschland nur eine allgemeine Verantwortlichkeit zukommt.
- Kommentar zur Gefährdung
- Die Art besiedelt das Supralitoral sowie die Gezeitenzone und kommt dort im Geröll, unter losen Steinen, auf dem feuchten bis nassen, sandigen Untergrund vor. Im Gegensatz zum stark aggregierten, massenhaften Auftreten in anderen Ländern kam sie an den deutschen Fundplätzen nur in verhältnismäßig geringen Individuenzahlen vor. Einen solchen natürlichen bzw. naturnahen Lebensraum gibt es in Deutschland an der Nordseeküste kaum noch. Umfangreiche Uferbefestigungsanlagen bis hin zu völlig betonierten Ufern verhindern das Auftreten der Art, die zumindest einige wenige lose, dem Substrat aufliegende Steine benötigt. Daher wird der langfristige Bestandstrend als „stark rückgängig“ und der kurzfristige Bestandstrend als „mäßig abnehmend“ eingeschätzt. Es ist davon auszugehen, dass die massiven Verbauungen in den Uferbereichen verstärkt fortgesetzt werden und sich somit die Bestandsentwicklungen von S. maritima verschlechtern werden.
- Weitere Kommentare
- S. maritima ist eine litorale Art, die entlang der Küsten von Nordspanien, über Frankreich, Belgien, die Niederlande, Großbritannien, Irland und Deutschland bis nach Skandinavien vorkommt und am Atlantik noch weitere Küstengebiete besiedelt (Andersson et al. 2013, Cabanillas 2020, Barber 2022). Sie tritt überall gehäuft, zumeist in großen Aggregationen auf. Erstaunlicherweise wurde sie für Deutschland Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhundert ausschließlich von Helgoland gemeldet. Der letzte von dort publizierte Fund stammt von Rüppell (1967). Seitdem galt die Art als verschollen. Recherchen im Zuge der Erstellung der vorliegenden Roten Liste ergaben, dass die Art bis Anfang 2000 auf Helgoland zwar immer wieder beobachtet wurde, aber nur in sehr geringen Dichten auftrat. Später wurde sie trotz intensiver Nachsuche auf Helgoland nicht wiedergefunden. Erst im Jahr 2019 gelang ein neuer Nachweis, überraschenderweise von der Insel Sylt (Oeyen et al. 2021). Dieser Fundort konnte 2021 bestätigt werden. Im selben Jahr gelangen auch zwei weitere Nachweise, diesmal vom Festland (Dagebüll). Diese drei Nachweise blieben trotz intensiver Suche auf den nordfriesischen Inseln und Halbinseln (Sylt, Föhr, Amrum, Nordstrand und Pellworm) die einzigen.
- Arealrand
- Südöstlich
- Einbürgerungsstatus
- Indigene oder Archäobiota
- Quelle
-
Decker, P.; Burkhardt, U.; Hauser, H.; Lindner, E.N.; Moritz, L.; Reip, H.; Spelda, J. & Voigtländer, K. (2026): Rote Liste und Gesamtartenliste der Hundertfüßer und Doppelfüßer (Myriapoda: Chilopoda et Diplopoda) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (12): 83 S.