- Wissenschaftlicher Name
- Listrocheiritium septentrionale Gulička, 1965
- Organismengruppe
- Hundertfüßer und Doppelfüßer
- Rote-Liste-Kategorie
- Daten unzureichend
- Verantwortlichkeit Deutschlands
- Allgemeine Verantwortlichkeit
- Aktuelle Bestandssituation
- unbekannt
- Langfristiger Bestandstrend
- Daten ungenügend
- Kurzfristiger Bestandstrend
- Daten ungenügend
- Vorherige Rote-Liste-Kategorie
- Kein Nachweis, nicht gelistet ohne es ausdrücklich auszuschließen oder kein etabliertes Vorkommen nachgewiesen (auch nicht unter einem anderen Namen).
- Kategorieänderung gegenüber der vorherigen Roten Liste
- Die Kategorieänderung ist nicht bewertbar, beispielsweise weil das Taxon in der alten Gesamtliste nicht enthalten oder nicht bewertet war (inkl. ⬧ → ⬧)
- Kommentar zur Taxonomie
- Die Bestimmung ist nach Gulička (1965) erfolgt.
- Kommentar zur Gefährdung
- Listrocheiritium-Arten finden sich vorzugsweise in von Hohlräumen durchzogenen kühl-feuchten Biotopen wie Karstsystemen oder Blockhalden. Dabei bevorzugen sie anscheinend die Hochlagen und treten auch oberhalb der Baumgrenze in der alpinen Höhenstufe auf. Es ist anzunehmen, dass L. septentrionale dieselben Ansprüche an Biotop und Habitat hat wie die übrigen Arten der Gattung und somit durch den Klimawandel bedroht sein könnte. Die Datenlage ist momentan noch unzureichend, um Bestandstrends angeben zu können.
- Weitere Kommentare
- Die Art L. septentrionale hat ihr Hauptverbreitungsgebiet in Tschechien. Weitere Vorkommen existieren im Nordwesten Niederösterreichs. Der Erstnachweis für Deutschland gelang 2024 im Bayerischen Wald bei Haidmühle im Gefüge eines natürlichen, von Buchen und Ebereschen durchsetzten Fichten-Mischwalds auf einer Blockhalde (Decker et al. 2025). Der Fund liegt nur 1km entfernt von der tschechischen Grenze und ca. 15km vom nächstgelegenen Fundort in Tschechien bei Horní Vltavice. Zudem existieren weitere grenznahe Funde in Tschechien. Der Fund in Deutschland schließt sich also nahtlos an das natürliche Verbreitungsgebiet im Nachbarland an (Kocourek et al. 2023), wo die Art auf Fichtenwälder und Gebüsche beschränkt ist und dort in klimatisch unterschiedlichen Gebieten vorkommt. L. septentrionale ist wie alle anderen Vertreter der Samenfüßer eine einjährige Art, deren Adulti nur für wenige Wochen oder Monate im Jahr auftreten, und die schnell neue Populationen aufbauen kann. Aufgrund der bekannten Verbreitung, Ökologie und Biologie kann auf eine Etablierung in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Deutschland geschlossen und eine Verschleppung ausgeschlossen werden. Wie weit sie allerdings im Bayerischen Wald verbreitet ist, muss durch weitere Untersuchungen geklärt werden.
- Arealrand
- Westlich
- Einbürgerungsstatus
- Indigene oder Archäobiota
- Quelle
-
Decker, P.; Burkhardt, U.; Hauser, H.; Lindner, E.N.; Moritz, L.; Reip, H.; Spelda, J. & Voigtländer, K. (2026): Rote Liste und Gesamtartenliste der Hundertfüßer und Doppelfüßer (Myriapoda: Chilopoda et Diplopoda) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (12): 83 S.