Connaisseurin giftiger Pflanzen

Für viele Bienen ist Blüte nicht gleich Blüte: Etwa jede dritte Bienenart in Deutschland ist beim Pollensammeln auf wenige Pflanzenarten spezialisiert. Zu diesen Bienen zählt auch unsere Art des Monats September, die Eisenhuthummel. Sie kommt bei uns nur in den Alpen vor und hat ein ganz besonderes Faible, das ihr auch den Namen gab: Sie ist auf die Blüten des Eisenhuts spezialisiert.

Gift für die einen, gesuchtes Larvenfutter für die anderen

Insekten, die Pollen von nur wenigen Pflanzenarten sammeln, sind sogenannte „Oligolekten“ (von altgriechisch olígos = wenig; lektós = ausgewählt). Im Fall der Eisenhuthummel (Bombus gerstaeckeri) sind das im Frühsommer der Gelbe Eisenhut (Aconitum lycoctonum) und im Hoch- und Spätsommer auch Blauer Eisenhut (A. napellus) sowie andere alpine Eisenhutarten. Diese wachsen in Hochstaudenfluren der lichten Bergwälder, aber auch über der Baumgrenze. Sie sind mit ihren kräftigen Farben für den Menschen zwar schön anzusehen, zählen jedoch zu den giftigsten Pflanzen Europas. Durch das enthaltene Alkaloid Aconitin wären bereits 2 Gramm der Pflanze, was etwa dem Gewicht eines Zuckerwürfels entspricht, für einen erwachsenen Menschen tödlich. Unsere Hummel hat mit den Inhaltsstoffen dagegen kein Problem.

Eine Eisenhuthummel auf einer Eisenhutblüte
Die Eisenhuthummel hat ein ganz besonderes Faible, das ihr auch den Namen gab: Sie ist auf die Blüten des Eisenhuts spezialisiert. (© Manuel Raab)

Hummeln, die zum Pollensammeln für ihre Larven Pflanzen anfliegen, nutzen zugleich jeden Blütenbesuch, um Nektar zu trinken – es ist ihr „Flugbenzin“. Da der Nektar tief unten in der Blüte verborgen ist, kommen nur die Eisenhuthummeln mit ihrem schlanken, langen Kopf und ihrer bis zu 23 Millimeter langen Zunge an den Eisenhut-Zuckersaft. Zugleich ist die Eisenhuthummel die einzige der rund 40 einheimischen Hummelarten, die eine solche Spezialisierung auf eine bestimmte Pflanzengattung aufweist.

Übrigens besuchen auch andere Hummelarten Eisenhutblüten. Da ihre Zunge meist nicht lang genug ist, beißen sie oft von außen ein Loch in den Blütengrund und „stehlen“ den Nektar.

Luftige Höhen bevorzugt

Die Eisenhuthummel lebt auf einer Höhe von 800 bis 2.500 Metern und kommt in Deutschland daher nur in den bayerischen Alpen vor. In Europa ist sie außerdem in den Pyrenäen und im Balkangebirge zu finden. Wegen des späten Sommereinzugs im Gebirge ist die Saison für die Eisenhuthummel kürzer als die ihrer Verwandten: Während sich die Königinnen anderer Hummelarten teilweise bereits im März auf die Suche nach Nahrung und einen Platz für ihr Nest machen, kommen die der Eisenhuthummeln oft erst im Juni aus ihren Winterverstecken. Nachdem sie einen geeigneten Standort gefunden haben – beispielsweise ein verlassenes Mauseloch oder eine trockene Felsspalte – beginnen sie, ihr Nest zu bauen. Dessen Hülle besteht meist aus trockenem, zerbissenen Pflanzenmaterial. Die eigentlichen Brutzellen – simple eiförmige Becher – baut die Königin aus Wachs. Sobald ab Mitte Juli die ersten Arbeiterinnen schlüpfen und auf Nahrungssuche gehen, verlässt die Königin das Nest nicht mehr und widmet sich ganz der Brutpflege. Die größten Nester können bis zu 100 Tiere umfassen, meist bleibt es aber bei etwa 20 Individuen. Ab Anfang September – und bis spät in den Oktober hinein – kann man Männchen und Jung-Königinnen finden, die im Sommer geschlüpft sind. Wie bei anderen Hummeln auch überwintern nur die befruchteten Jungköniginnen, während die Nestgründerin, die Arbeiterinnen und die Männchen sterben. Im nächsten Jahr wiederholt sich der Zyklus.

Wohin, wenn es wärmer wird?

Der Klimawandel stellt die Eisenhuthummel und viele andere alpine Arten vor immer größere Herausforderungen. Wegen ihrer Spezialisierung auf Eisenhut als Pollenpflanze benötigt die Eisenhuthummel ausreichend große Eisenhutbestände, die nur in den kühlen Hochlagen konkurrenzfähig sind. Schrumpfen oder verschwinden die Bestände dieser Pflanzen, weil es immer wärmer wird, verliert auch die Hummel ihre Lebensgrundlage.

Die Eisenhuthummel ist in der aktuellen Roten Liste Deutschlands als „Extrem selten“ eingestuft. Ihre wichtigsten Pollenpflanzen, der Blaue und der Gelbe Eisenhut, sind zwar noch ungefährdet, zeigen jedoch einen mäßigen Rückgang.

(Artikel veröffentlicht am 7.9.2026)

Da der Nektar tief unten in der Blüte verborgen ist, kommen nur die Eisenhuthummeln mit ihrer bis zu 23 Millimeter langen Zunge an den Eisenhut-Zuckersaft. (© Manuel Raab)
Aktuelle Rote Liste

Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen Deutschlands

Westrich, P.; Frommer, U.; Mandery, K.; Riemann, H.; Ruhnke, H.; Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera: Apidae) Deutschlands. – In: Binot-Hafke, M.; Balzer, S.; Becker, N.; Gruttke, H.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G.; Matzke-Hajek, G. & Strauch, M. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3): 373–416.

Die Rote-Liste-Daten sowie die elektronische Publikation sind auch als kostenfreier Download verfügbar.

Eine aktualisierte taxonomische Checkliste der Bienen Deutschlands wurde 2023 in der Zeitschrift Anthophila publiziert.

Eisenhuthummel
(Bombus gerstaeckeri)

Rote-Liste-Kategorie: Extrem selten