Rebhuhnfarben: braungrau und aus der Nähe bunt
Rebhühner (Perdix perdix) sind kurzschwänzige und gedrungene Bodenvögel mit runden Schwingen. Ihr Gefieder ist ein Dreiklang aus Grau, Braun und Rosttönen. Es tarnt sie sowohl in schütter mit Gras bewachsenen Feldrainen als auch in Stoppeläckern oder Brachen. Aus 50 Meter Entfernung wirken die Tiere damit einfarbig schmutziggrau. Von Nahem betrachtet sind sie dagegen erstaunlich bunt: Von der grauen, ganz fein gesperberten Brust hebt sich das orangefarbene Gesicht ab, und an den Flanken bilden kastanienbraune, zu Bändern arrangierte Rauten einen ebenso starken Kontrast wie ein hufeisenförmiger Fleck am Bauch. Über die mittelbraunen Flügel verlaufen viele wie mit einem feinen Pinsel gezogene helle Striche.

So wie die meisten Hühnervögel sind Rebhühner hervorragende Läufer, aber schlechte Flieger. Bei Gefahr drücken sie sich auf den Boden und vertrauen auf ihre Schutzfärbung oder sie laufen rasch und in geduckter Haltung aus dem Blickfeld eines potenziellen Feindes. Wenn sie doch fliegen müssen, steigen sie meist erst im letzten Moment mit laut purrenden Flügelschlägen auf, um nach wenigen Sekunden wieder in einer Deckung zu landen.
Bei Kälte wird gekuschelt
Während der Brutzeit und zum Führen der noch nicht flüggen Küken bleiben Rebhuhnpaare, die nicht selten mehrere Jahre miteinander in Einehe leben, für sich. Individuelle Territorien verteidigen sie aber nicht. So dient der typische Rebhuhnruf wahrscheinlich weniger zur Markierung von Reviergrenzen als vielmehr einer möglichst gleichmäßigen, konfliktfreien Verteilung der Familien im Gebiet. Nach dem Sommer schließen sich die Tiere dann zu lockeren Verbänden, so genannten Ketten, zusammen. Rebhühner sind „Standvögel“, sie ziehen also im Winter nicht in mildere Gegenden. Je kälter es wird, desto mehr Nähe suchen sie zueinander. Bei Frost, kaltem Wind und Schnee gehen sie zum Schlafen und in Fresspausen gern auf Tuchfühlung, das spart Energie.
Stark gefährdet – wie lange noch?
Als ursprüngliche Bewohner kontinentaler Steppengebiete bevorzugen Rebhühner in West- und Mitteleuropa kleinflächig gegliederte Feld- und Ackerlandschaften mit eingestreuten Hecken, Gebüschen und Staudenfluren. Doch diese Ideallandschaften gibt es kaum noch, sie sind den Produktionsflächen der Agrarindustrie gewichen. Kein Wunder also, dass sich Rebhühner buchstäblich vom Acker gemacht haben…
Der dramatische Rückgang der Rebhuhnpopulationen in Deutschland geht mit einer stark erhöhten Sterblichkeit ihrer Küken einher. Dies ist die Folge von Nahrungsmangel. In den ausgedehnten, mit Pestiziden behandelten Anbauflächen von Mais und Getreide sind kleine, bodenlebende Insekten und andere wirbellose Tiere rar geworden. Rebhuhnküken brauchen aber in den ersten drei Lebenswochen fast ausschließlich tierische Nahrung wie z. B. Ameisen und deren Puppen, kleine Käfer und Spinnen. Wo solche Nahrung fehlt oder nicht in ausreichender Menge vorhanden ist, verhungern sie. Daneben führt die Strukturarmut durch fehlende Säume, Hecken, Brachen und Feldraine zu Habitatverlustenfür das Rebhuhn. In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands ist das Rebhuhn deshalb in die Kategorie „Stark gefährdet“ eingestuft.

© Foto: Iliuta/Adobe Stock
Die Rote Liste der Brutvögel Deutschlands wird traditionsgemäß nicht vom Bundesamt für Naturschutz bzw. vom Rote-Liste-Zentrum koordiniert, sondern vom „Nationalen Gremium Rote Liste Vögel“. Sie wurde in den „Berichten zum Vogelschutz“ 57 (2020) veröffentlicht, die Gefährdungseinstufung der Vogelarten ist auf der Website des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten zu finden.
Mit etwas zeitlichem Versatz wird die Publikation in der NaBiV-Reihe des BfN veröffentlicht und die Daten werden für die Artensuchmaschine und den Downloadbereich des Rote-Liste-Zentrums aufbereitet. Dies befindet sich derzeit in Arbeit.