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Scientific name
Pseudophilotes baton (Bergsträsser, 1779)
German name
Westlicher Quendel-Bläuling
Group of organisms
Tagfalter und Widderchen
Red List Category
Critically endangered
Responsibility of Germany
General responsibility
Current population status
very rare
Long-term population trend
very strong decline
Short-term population trend
very strong decrease
Previous Red List Category
Endangered
Change of category compared to previous Red List
Current downgrading of Red List Category
Comment on taxonomy
Laut neuerer genetischer Untersuchungen gibt es Hybridisierung zwischen P. baton und P. vicrama in Mitteleuropa, weshalb die Artabgrenzung nicht sicher ist (Todisco et al. 2010). Während die DNA-Barcodes sehr ähnlich sind, gibt es morphologische Unterschiede. Unklar ist, ob es sich um getrennte Arten, Arten mit Sekundärkontakten oder Stadien einer unvollständigen Artausbildung handelt (Sucháčková Bartoňová et al. 2021). Lukhtanov & Gagarina (2022) sind der Meinung, dass beide als eigenständige Arten geführt werden sollten, bis das Gegenteil bewiesen ist. Auch diese Arbeit zeigt ähnliche DNA-Barcodes.
Comment on threat
P. baton hat seit der Erstellung der letzten Roten Liste einen starken Bestandseinbruch erlitten. In Mitteldeutschland ist die Art womöglich erloschen (letzte Nachweise aus Sachsen-Anhalt 2011, aus Thüringen 2018). In Rheinland-Pfalz scheint die Art nur noch auf dem Truppenübungsplatz Baumholder vorzukommen. Die bayerischen Vorkommen sind auf zwei Fundorte zusammengeschmolzen, an welchen die Art im Jahr 2023 noch mit wenigen Exemplaren bestätigt werden konnte (Tagfalter in Bayern 2024). Alle ehemals gut besetzten Habitate in der Frankenalb sind verwaist. Einzig in Baden-Württemberg existieren noch größere Populationen im Südschwarzwald und auf der Mittleren Schwäbischen Alb. Selbst dort kann aber nicht von gesicherten Beständen ausgegangen werden, da die Art in ähnlichen Habitattypen wie im Südschwarzwald (z.B. im Šumava Nationalpark und Umgebung in Tschechien) innerhalb kurzer Zeit fast verschwunden ist (Pavlíčko et al. 2022, Böck 2024, Sucháčková Bartoňová, schriftl. Mitt.). Der wichtigste Gefährdungsfaktor in den letzten zehn Jahren war vermutlich das Vertrocknen der Raupennahrungspflanzen (meist Thymus pulegioides, seltener T. praecox) während ausgeprägter frühsommerlicher Hitzeperioden. Dies korreliert auch zeitlich mit dem Verschwinden der Art z.B. im Kyffhäuser und bei Kallmünz in Bayern (Böck 2024). Eine Verbuschung oder Eutrophierung der Habitate, die Fragmentierung der Flächen, Wiedervernässung von Niedermooren, Koppelbeweidung mit hohem Viehbesatz sowie falsche Beweidungs- oder Mahdtermine sind als weitere Gründe für den Rückgang zu nennen (Heřman et al. 2015, Böck & Hafner 2020, Böck 2024).
Further comments
In den Alpen ist die Art einbrütig, ansonsten bildet sie teilweise eine zweite Generation (Böck & Hafner 2020).
Status
Indigenes or Archaeobiota
Source

Musche, M.; Albrecht, M.; Becker, J.; Bittermann, J.; Blanckenhagen, B. von; Böck, O.; Caspari, A.; Caspari, S.; Dolek, M.; Harpke, A.; Hermann, G.; Joger, H.G.; Kolligs, D.; Lange, A.; Müller, D.; Nunner, A.; Pollrich, S.; Reinelt, T.; Rennwald, E.; Schmitz, O.; Schönborn, C.; Schulze, W.; Schurian, K.; Strätling, R.; Wachlin, V. & Wiemers, M. (2025): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter und Widderchen (Lepidoptera: Papilionoidea et Zygaenidae) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (11): 94 S.