Neue Rote Liste der Schmetterlinge Schleswig-Holsteins

Fast die Hälfte der Großschmetterlingsarten in Schleswig-Holstein, nämlich 44 Prozent, sind bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben. Wenn man nur die Tagfalter betrachtet, liegt der Gefährdungsgrad sogar bei 65 Prozent.

Komplettes Artenverzeichnis der Schmetterlinge Schleswig-Holsteins

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) des Landes Schleswig-Holstein hat am 23.5.2022 eine Neuausgabe der Roten Liste der Großschmetterlinge vorgelegt. Die Gruppe der Großschmetterlinge umfasst in Schleswig-Holstein 919 Arten aus der Gesamtartenliste, wovon 849 als bodenständig gelten und die Datengrundlage der Auswertung bilden. Danach werden 44 Prozent der Großschmetterlinge als bestandsgefährdet eingestuft, in der vorherigen Roten Liste waren es noch 38 Prozent. Nur die Tagfalter betrachtet, liegt der Gefährdungsgrad bei 65 Prozent.

Das Rote Ordensband (Catocala nupta) zählt zu den ungefährdeten Arten. Foto: Detlef Kolligs

Das Rote Ordensband (Catocala nupta) zählt zu den ungefährdeten Arten.

Foto: Dr. Detlef Kolligs

Insgesamt werden fünf Arten neu als ausgestorben bewertet (dazu gehören das Kleine Ochsenauge, der Wachtelweizen-Scheckenfalter und der Hochmoor-Bläuling) und bei 66 Arten erfolgte eine höhere Einstufung des Gefährdungsgrades. So sind der Hochmoor-Perlmuttfalter und der Komma-Dickkopffalter nun als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Erstmals legt das LLUR mit dieser Ausgabe der Roten Liste der Großschmetterlinge zugleich ein komplettes Artenverzeichnis aller aus Schleswig-Holstein bekannter Schmetterlingsarten, also der Klein- und Großschmetterlinge, vor. Im nördlichsten Bundesland sind bisher 2.324 Schmetterlingsarten dokumentiert. Neben der großen Anzahl dauerhaft bodenständiger oder inzwischen ausgestorbener Arten wurde eine Vielzahl in Schleswig-Holstein nur temporär auftretender Arten erfasst.

Zahlreiche Arten der Kleinschmetterlinge konnten neu für die Fauna Schleswig-Holsteins nachgewiesen werden. Trotzdem ist der Erforschungsgrad noch immer geringer als bei den Großschmetterlingen. Auf eine Bewertung der Kleinschmetterlinge in der Roten Liste wird deshalb noch verzichtet.

Gefährdungsursachen

Als Gründe für die Rückgänge bei den Großschmetterlingsarten nennt die Rote Liste die Eutrophierung der ehemals nährstoffarmen Lebensräume, ein dramatischer Verlust an Lebensräumen und Futterpflanzen. Viele Schmetterlinge benötigen unterschiedliche Pflanzen in ihrer Zeit als Raupe und als Schmetterling. Die Verfügbarkeit von beidem zum passenden Zeitpunkt und in ausreichender Menge ist immer seltener gegeben. Einige Arten sind nur noch an so wenigen verinselten Stellen im Land vorhanden, dass es nicht mehr zu einem genetischen Austausch kommen kann. Viele Schutzgebiete bieten zwar noch gute Voraussetzungen für Schmetterlinge, sind aber oftmals zu klein, um Arten dauerhaft eine Überlebenschance sichern zu können.

Die Erarbeitung der Roten Listen wird generell von Fachleuten und Spezialisten auf der Basis von umfangreichen Untersuchungen und Kenntnissen durchgeführt. Autor der Roten Liste Großschmetterlinge Schleswig-Holsteins ist Dr. Detlef Kolligs.

Weitere Informationen

- Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) des Landes Schleswig-Holstein: Pressemitteilung 

- Zum Download: Rote Liste Schmetterlinge Schleswig-Holsteins. Sie kann auch als gedrucktes Exemplar bestellt werden (siehe Pressemitteilung).

- Gefährdungssituation und Rote Liste der Tagfalter Deutschlands

Der Rotklee-Bläuling (Cyaniris semiargus, Syn. Polyommatus semiargus), auch als Violetter Waldbläuling bekannt, ist in Schleswig-Holstein vom Aussterben bedroht. Bundesweit gilt er noch als ungefährdet. Foto: Detlef Kolligs

Der Rotklee-Bläuling (Cyaniris semiargus, Syn. Polyommatus semiargus), auch als Violetter Waldbläuling bekannt, ist in Schleswig-Holstein vom Aussterben bedroht. Bundesweit gilt er noch als ungefährdet.

Foto: Dr. Detlef Kolligs