Der Iltis

Nomade in einer zerschnittenen Welt

Iltisse besetzen keine festen Reviere, sondern wechseln in sehr großen Aktionsräumen ständig zwischen verschiedenen Ruheplätzen. Nur Weibchen („Fähen“), die gerade Junge aufziehen, nutzen längere Zeit ein Versteck. Iltisse ernähren sich, je nach Jahreszeit, hauptsächlich von Kleinsäugern und Amphibien. Die täglich zurückgelegten Laufstrecken betragen – je nach Ausstattung des Lebensraums und Nahrungsangebot – zwischen 1 und 4 km. Während der Paarungszeit laufen die Männchen („Rüden“) in einer Nacht sogar bis zu 10 km umher. In einer von vielen Straßen durchzogenen Umwelt ist damit das Risiko überfahren zu werden, sehr hoch.

In Deutschland weist der Iltis einen Verbreitungsschwerpunkt im Nordwesten auf. In den östlichen Bundesländern ist er dagegen selten zu finden. Großräumige und exakte Daten zur Bestandsentwicklung liegen nicht vor. Allerdings wird in den meisten westeuropäischen Ländern von einem Bestandsrückgang ausgegangen. Auch in Deutschland zeigt sich anhand der kleiner werdenden Jagdstrecken, in denen auch Verkehrsopfer berücksichtigt sind, dass der Bestand abnimmt. Aktuell wird der Iltis deshalb in der Roten Liste der Säugetiere in der Kategorie „Gefährdet“ aufgeführt.

Neben der Gefahr des Verkehrstodes hat die Art zunehmend auch mit dem Rückgang ihrer Nahrung zu kämpfen. Durch industrielle Produktionsverfahren in der Landwirtschaft mit hohem Einsatz von Bioziden und immer häufigeren und schnelleren Bearbeitungsdurchgängen stehen heute kaum noch ausreichende Kleinsäugerbestände als Nahrungsgrundlage für heimische Raubtiere zur Verfügung.

Gefährliche Mahlzeiten an der Autobahn

In Sachsen-Anhalt beispielsweise konzentrieren sich Iltisvorkommen auf Autobahnböschungen, da nur dort noch nennenswerte Bestände an Mäusen leben. Dies erhöht nicht nur die Gefahr von Kollisionen, sondern führt auch zu einer erhöhten Belastung mit Umweltgiften wie z. B. PCB, was zu einer verringerten Reproduktionsrate der Iltisse führt. Auch der Rückgang von Amphibienbeständen – ebenfalls eine Nahrungsquelle – setzt dem Iltis zu. Gleichzeitig erhöht sich der Druck durch nicht einheimischen Konkurrenten wie Waschbär, Marderhund und Mink.

Durch das Anlegen von Hecken und Brachestreifen, durch die Wiedervernässung von Feuchtgebieten und die Pflege von Kleingewässern kann die Nahrungssituation für den Iltis verbessert werden. Die Jägerschaft sollte auf eine Bejagung der Art verzichten, zumal der Iltis heute wirtschaftlich nicht mehr genutzt wird. Bei der Bekämpfung von Waschbär, Marderhund und Mink mittels Fallen sind Iltisse als Fehlfänge unbedingt wieder frei zu lassen.

Ein Beitrag von Holger Meinig.
Der Zoologe ist Säugetier-Spezialist und hat an den Roten Listen der IUCN für Europa (EMMA 2007) und des Mittelmeerraumes (2008) mitgearbeitet. Weitere Tätigleiten: Koordination und Mitarbeit an den Checklisten und Roten Listen Säugetiere Deutschland (2009) und NRW (2011).

Iltisse besetzen keine festen Reviere. Je nach Ausstattung des Lebensraums und Nahrungsangebot legen sie täglich bis zu 4 km zurück.  Foto: Steffen Spänig.

Iltisse besetzen keine festen Reviere. Je nach Ausstattung des Lebensraums und Nahrungsangebot legen sie täglich bis zu 4 km zurück.

Foto: Steffen Spänig.

Die Rote-Liste-Bewertung

Weitere Informationen zur Rote-Liste-Bewertung des Iltisses – inklusive Bestandssituation, kurz- und langfristiger Bestandstrend sowie Verantwortlichkeit Deutschlands für die weltweite Erhaltung dieser Art – finden Sie im Steckbrief.

Die bundesweiten Roten Listen dokumentieren auf wissenschaftlicher Grundlage und in verdichteter Form die Gefährdung der einheimischen Arten. Damit sind sie ein stets verfügbares Fachgutachten, ein Frühwarnsystem für die Entwicklung der biologischen Vielfalt und eine Argumentationshilfe für umweltrelevante Planungen. Rote Listen zeigen den vordringlichen Handlungsbedarf im Artenschutz auf.

Quellen/Rote-Liste zum Artikel

Meinig, H.; Boye, P. & Hutterer, R. (2009): Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere (Mammalia) Deutschlands. – In: Haupt, H., Ludwig, G., Gruttke, H., Binot-Hafke, M., Otto, C. & Pauly, A. (Bearb.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen

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Croose, E.; Duckworth, J.W.; Ruette, S.; Skumatov, D.V.; Kolesnikov, V. & Saveljev, A.P. (2018): A review of the status of the Western polecat Mustela putorius: a neglected and declining species? – Mammalia 82 (6): 550–564.

Hofmann, T.; Jentzsch, M.; Trost, M.; Ohlendorf, B. & Heidecke, D. (2016): Säugetiere (Mammalia). – In:  Frank, D. & Schnitter, P. (Hrsg.): Pflanzen und Tiere in Sachsen-Anhalt. – Ein Kompendium der Biodiversität. – Rangsdorf (Natur+Text): 539–553.

Jedrzejewska, B. & Jedrzejewski, W. (1998): Predation in vertebrate communities: the Bialowieza primeval forest as a case study. – Berlin (Springer): 450 S.

Stier, N.; Borchert, M.; Meißner-Hylanova, V.; Pinnecke, J.; Schmüser, H.; Hoffmann, D.; Eckern, S.; Häger, B. & Roth, M. (2015): Erfassungsmethoden von Baummarder und Iltis zur Beurteilung ihrer Populationszustände. – Abschlussbericht. – Dresden (Technische Universität Dresden): 152 S.

Weber, A. (2013): Ersatzlebensraum Autobahnböschung – populationsbiologische Effekte für den Europäischen Iltis Mustela putorius in Sachsen-Anhalt, Deutschland. – Beiträge zur Jagd- und Wildtierforschung 38: 157–166.

Iltis (Mustela putorius)

Rote-Liste-Kategorie: Gefährdet