Cannabis soll auf die Rote Liste gefährdeter Pflanzen

Bonn, 1. April 2024: Pünktlich zum Inkrafttreten des von der Bundesregierung novellierten Cannabis-Gesetzes soll Hanf (Cannabis sativa) in die Rote Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen aufgenommen werden. Eine Initiative des Rote-Liste-Zentrums zielt auf eine Ergänzung der Anhänge zum Cannabis-Gesetz. Damit würde in letzter Minute eine Hanf-Schutz-Vorankündigung (Cannabis-Conservation advance note, kurz Can-Can) im neuen Regelwerk verankert. (Der Artikel ist ein Aprilscherz des Rote-Liste-Zentrums)

Die Hanfblattlaus ist gefährdet, der Hänfling ist clean

Das neue „Gesetz zum kontrollierten Umgang mit Cannabis und zur Änderung weiterer Vorschriften“ zielt in erster Linie auf eine Entkriminalisierung des Cannabis-Konsums und auf eine Entlastung der Strafverfolgungsbehörden. Dabei wurde allerdings übersehen, dass die Teil-Legalisierung erhebliche Auswirkungen auf die Bestandssituation wildwachsender Hanf-Pflanzen haben wird. Darauf hat jetzt das Rote-Liste-Zentrum hingewiesen.

Mit Can-Can soll wilder Hanf geschützt werden. Foto: johnalexandr/AdobeStock

Mit Can-Can soll wilder Hanf geschützt werden.

Foto: johnalexandr/AdobeStock

„Wir rechnen damit, dass sich viele Kifferinnen und Kiffer verstärkt an wildwachsenden Hanfpflanzen bedienen werden, sobald Besitz und Konsum von Kleinmengen nicht mehr unter Strafe stehen“, so Dr. Günter Matzke-Hajek, Co-Autor der aktuellen Roten Liste und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Rote-Liste-Zentrum (RLZ). „Der private Anbau wird sich außerdem auf Innenräume verlagern – genau das kann den Bestand der Art im Freiland ernsthaft gefährden“. Der Biologe sieht Hanf als „Schlüsselorganismus urbaner Ökosysteme“. Mit dem Verschwinden wildwachsender Hanfpflanzen (Cannabis sativa subsp. ruderalis) wären schlagartig auch Hanf-abhängige Arten vom Aussterben bedroht, insbesondere die Hanf-Blattwespe (Trichiocampus cannabis) und die Hanfblattlaus (Phorodon cannabis).

Glücklicherweise ist der Hänfling (Linaria cannabina), ein einheimischer Finkenvogel, weniger stark betroffen. „Der Hänfling ist clean – im Rahmen von Drogentests wurden bei ihm Inhaltsstoffe wie THC nur in Spuren nachgewiesen“, so der Experte in seinem Statement zum 1. April 2024. Auch der Bestand des Hanfseils (Funis cannabinus) scheint nicht gefährdet, da es praktisch nur Faserhanf zum Überleben braucht.

Ein gezieltes Monitoring soll Aufschluss darüber bringen, welche Auswirkungen die Legalisierung auf die Cannabis-Biozönose hat und ob zukünftig gezielte Artenschutzprogramme notwendig sind.