Alpine Gebirgsschrecke

Wer sie finden will, muss genau hinschauen und meist hoch hinaus: obwohl quietschend grün mit gelben Beinen, ist sie trotzdem gut getarnt. Vielleicht hört man stattdessen ihr „Zähneknirschen“ in über 1.000 m Höhe – oder im Schwarzwald. Die deutschen Bestände der Art haben in den letzten Jahrzehnten abgenommen. Die ohnehin seltene Alpine Gebirgsschrecke wird deshalb in der Kategorie „Vorwarnliste“ geführt.

Die Alpine Gebirgsschrecke ist unser „Tier des Monats“ September.

Zähneknirschen statt Gesang

Im Gegensatz zu den meisten Heuschrecken kann die Alpine Gebirgsschrecke keine „Musik“ machen. Statt durch Aneinanderreiben von Beinen und Flügeln zu „singen“, knirschen oder knacken die Männchen mit ihren Kiefern. Die Mandibel-Geräusche sind nur wenige Dezimeter weit hörbar. Aufmerksamkeit während der Partnerfindung erwecken die Männchen zusätzlich durch Zucken mit den Hinterbeinen, wobei die rot gefärbten Beinpartien die Signalwirkung verstärken. Auch bei Störungen macht das Männchen ruckartig wippende Bewegungen und zeigt dabei die roten Beinleisten.

Bunt und dennoch gut getarnt

Vor einem neutralen Hintergrund wirkt die Alpine Gebirgsschrecke ausgesprochen bunt: Die quietschgrüne Grundfarbe kontrastiert mit glänzend schwarzen Flecken, dazu kommen die braunen Flügel, teilweise gelbliche Beine und leuchtend rote Streifen an den Hinterschenkeln. In der Vegetation sind die Tiere dennoch so gut wie unsichtbar – solange sie sich nicht bewegen.

Während die meisten Kurzfühlerschrecken eher Wärme und Trockenheit lieben, findet man die Alpine Gebirgsschrecke schwerpunktmäßig auf kühleren und feuchteren, oft nordexponierten Standorten über 1.000 Meter Meereshöhe. Die größten Populationsdichten bestehen in zwergstrauchreichen Almweiden und Hochstaudenfluren in der Nähe von Bergbächen.

Fernreisen ausgeschlossen

Der Größenunterschied zwischen dem Weibchen (unten) und dem Männchen (oben) ist bei der Alpinen Gebirgsschrecke besonders auffällig. Erwachsene Tiere sind zwischen Ende Juni und Oktober zu finden, Paarungen kann man besonders im August und September beobachten.

Der Größenunterschied zwischen dem Weibchen (unten) und dem Männchen (oben) ist bei der Alpinen Gebirgsschrecke besonders auffällig. Erwachsene Tiere sind zwischen Ende Juni und Oktober zu finden, Paarungen kann man besonders im August und September beobachten.

Foto: Dr. Günter Matzke-Hajek

Die Alpine Gebirgsschrecke ist eine rein europäisch verbreitete Art, die von den spanischen Pyrenäen bis in die Balkanländer verbreitet ist, aber überall nur in den Gebirgen lebt. In Deutschland kommt sie außer in den Alpen auch im Schwarzwald vor. Fachleute gehen davon aus, dass diese Trennung schon seit mehreren Tausend Jahren besteht und die Art damit ein echtes Eiszeitrelikt ist. Deutschland hat für die Erhaltung der hochgradig isolierten Vorkommen im Schwarzwald deshalb eine besondere Verantwortlichkeit.

Da die Tiere nur sehr kurze Flügel besitzen, können sie sich aus eigener Kraft nicht über größere Distanzen ausbreiten. Die Kurzflügeligkeit war schon dem Erstbeschreiber der Art, Vincenz Kollar, vor 190 Jahren aufgefallen: „Ich würde sie für unausgebildet gehalten haben, wenn ich nicht Männchen und Weibchen zu wiederholten Malen in Begattung getroffen hätte“. Kollar war Zoologe des Wiener Hof-Naturalien-Cabinetts. Er nannte die neu entdeckte Art „Alpen-Feldheimchen“ und gab ihr den wissenschaftlichen Namen Gryllus alpinus. Erst später erkannten Fachleute, dass die Zuordnung zu den Grillen unpassend war. Heute lautet der wissenschaftliche Name Miramella alpina und die Art ist in der Unterfamilie der Knarrschrecken eingeordnet.

Rote-Liste-Bewertung

Die deutschen Bestände der Art haben in den letzten Jahrzehnten abgenommen. Die ohnehin seltene Alpine Gebirgsschrecke wird deshalb seit 2011 in der Kategorie „Vorwarnliste“ geführt. Weitere Informationen zur Rote-Liste-Bewertung der Alpinen Gebirgsschrecke (Miramella alpina) – inklusive Bestandssituation, kurz- und langfristigem Bestandstrend – finden Sie im Steckbrief.

Die bundesweiten Roten Listen dokumentieren auf wissenschaftlicher Grundlage und in verdichteter Form die Gefährdung der heimischen Arten. Damit sind sie ein stets verfügbares Fachgutachten, ein Frühwarnsystem für die Entwicklung der biologischen Vielfalt und eine Argumentationshilfe für umweltrelevante Planungen. Rote Listen zeigen den vordringlichen Handlungsbedarf im Artenschutz auf.

Rote Liste zum Artikel

Aktuelle Rote Liste

Maas, S.; Detzel, P. & Staudt, A. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Heuschrecken (Saltatoria) Deutschlands. – In: Binot-Hafke, M., Balzer, S., Becker, N., Gruttke, H., Haupt, H., Hofbauer, N., Ludwig, G., Matzke-Hajek, G. & Strauch, M. (Bearb.): Rote Liste der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Bonn (Bundesamt für Naturschutz). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3): 577–606.

Weitere Informationen

  • Deutsche Gesellschaft für Orthopterologie e.V.: Alpine Gebirgsschrecke: mehr erfahren
  • Heuschrecken-Plattform für die Schweiz und Europa: Alpine Gebirgsschrecke: mehr erfahren

 Alpine Gebirgsschrecke

(Miramella alpina)

Rote-Liste-Kategorie: Vorwarnliste