Gemeine Filzbiene

Was Filzbiene und Kuckuck gemeinsam haben

Vorratshaltung? Nein, danke!

Mit nur 7 Millimetern Körperlänge kann diese Wildbiene leicht übersehen werden. Am ehesten findet man sie zwischen Juni und September in Gebieten mit Sand- und Lössböden, wo sie Korbblüter wie Rainfarn, Schafgarbe oder Jakobskreuzkraut besucht.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bienen haben Filzbienen (Epeolus variegatus) praktisch keine längeren Haare, die sich zum Sammeln von Pollen eignen würden. Tatsächlich bevorraten sie keine Nahrung, sondern leben beim Blütenbesuch quasi von der Hand in den Mund. Ihre einzige Behaarung besteht aus einem feinen anliegenden Filz. Er bildet die hellen Flecken an Brust und Hinterleib und war der Anlass für den deutschen Namen Filzbiene. Der wissenschaftliche Artname „variegatus“ bedeutet bunt oder gescheckt, wobei die Weibchen wegen der ausgedehnteren roten Körperpartien farbiger wirken als die vorwiegend grau-schwarz-weißen Männchen.

Die Gemeine Filzbiene, hier ein Weibchen, besucht auch Gärten, wenn es dort geeignete Nahrungsquellen gibt. Färber-Kamille gehört zu ihren bevorzugten Zielen. Foto: Dr. Günter Matzke-Hajek.

Die Gemeine Filzbiene, hier ein Weibchen, besucht auch Gärten, wenn es dort geeignete Nahrungsquellen gibt. Färber-Kamille gehört zu ihren bevorzugten Zielen.

Foto: Dr. Günter Matzke-Hajek.

Achtung, Trojaner im Anmarsch…

Ein wahrer Krimi verbirgt sich hinter der Bedeutung des Gattungsnamens Epeolus. Obwohl der Autor dieses Namens, der französische Insektenkundler Pierre André Latreille ihn selbst nicht erklärte, ist offensichtlich, dass es sich um die Verkleinerungsform des Namens Epeios (lateinisch Epeus) handelt, der in den antiken Erzählungen von Homer und Vergil vorkommt. Epeios war in der griechischen Mythologie jener Held, dem Athene die Idee des Trojanischen Pferdes eingab. Er baute es und gehörte anschließend selbst zu den Kriegern, die mit dem Danaergeschenk in die Stadt gelangten und diese eroberten.

Der Zoologe Latreille dürfte also bereits gewusst haben, dass die Filzbienen sich in die Bauten fremder Bienen einschmuggeln. Es handelt sich bei ihnen nämlich um so genannte Kuckucksbienen, also Brutparasiten, die keine eigene Brutpflege betreiben. Im Sommer spähen sie die Erdnester von solitär lebenden Seidenbienen aus – bei uns meist die von Colletes daviesanus – und versuchen, ihre eigenen Eier möglichst unbemerkt an die Brutkammern ihrer Wirte zu legen. Werden sie dabei ertappt, kann es zu Kämpfen zwischen Wirt und Eindringling kommen. Da die Larven der Filzbienen früher schlüpfen als die der Seidenbienen, haben sie im fremden Nest einen Vorsprung. Die Wirtslarve verhungert oder wird gleich mit aufgefressen.

Die Seidenbiene (Colletes daviesanus) ist bei uns die häufigste Wirtsart der Gemeinen Filzbiene. Foto: Dr. Günter Matzke-Hajek.

Die Seidenbiene (Colletes daviesanus) ist bei uns die häufigste Wirtsart der Gemeinen Filzbiene.

Foto: Dr. Günter Matzke-Hajek

Wirt und Kuckuck im gleichen Lebensraum

Die bei uns nur mäßig häufige Art ist in der Roten Listen der Bienen Deutschlands in die „Vorwarnliste“ eingestuft (Kategorie V). Hintergrund sind die anhaltenden Rückgänge infolge von Lebensraumverlusten. Wer Filz- und Seidenbienen helfen will, belässt im eigenen Garten einige offene besonnte Stellen mit sandig-lehmigen Böden und sorgt für ein gutes Blütenangebot, z. B. mit Färber-Kamille und Margeriten.

Weitere Informationen zur Rote-Liste-Bewertung der Filzbiene finden Sie im Steckbrief.

Gemeine Filzbiene (Epeolus variegatus)

Rote-Liste-Kategorie: Vorwarnliste